Studierende vor den Vorhang!

Blog3. Juli 2013, 12:47
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PädagogInnen sollte es möglichst bis zu ihrer Pensionierung eine Ehre bleiben, Kids unterrichten zu dürfen - Warum es für mich ist es eine ebenso große Ehre ist, Studierende zu unterrichten

Ich habe meinen letzten Blog-Eintrag mit der Hoffnung auf eine humane Schule geschlossen, auf Schule, die das Primat der Persönlichkeitsentwicklung vor strukturellen Veränderungen anerkennt, die durch starke Menschen mit einer gehörigen Portion Mut lebt.

Warum diese Hoffnung für mich schon längst nicht mehr nur Hoffnung ist? Weil ich ständig mit starken, mündigen Persönlichkeiten zu tun habe, die allesamt LehrerInnen werden wollen. Drei von ihnen darf ich Ihnen stellvertretend für all die Tollen vorstellen.

foto: privat

Antonio Aiello: "Beziehung zu den Kindern ist die Basis für guten Unterricht. Ich denke, dass jede Lehrperson etwas Besonderes mitbringt, das sie mit der Klasse teilen sollte."

"Lehrer sein ist ein Beruf, in dem man sehr viel geben kann, und eben so viel zurück bekommt", betont Antonio Aiello, einer von Österreichs besten Skateboardern.

"Ich habe mit 12 Jahren mit dem Skateboardfahren begonnen. Bevor ich damit angefangen habe, war ich eher ein 'Problemkind'; im Skateboardfahren habe ich zum ersten Mal etwas gefunden, das mich wirklich begeisterte. Diese Begeisterung hatte einen positiven Einfluss auf mein Selbstbewusstsein und meine schulischen Leistungen."

Antonio Aiello möchte, dass seine SchülerInnen von seinen Erfahrungen profitieren – und ist bereits in die richtige Richtung gestartet: "Im Zuge der Schulpraxis habe ich einen Skateboardvormittag mit den Kindern gestaltet - sie waren begeistert. Einige waren kaum mehr vom Brett runter zu bekommen. Auch die LehrerInnen gaben mir positives Feedback. Dadurch, dass ich meine Leidenschaft in die Klasse gebracht habe, hat sich die Beziehung zu den Kindern verbessert."

Übrigens: In Malmö gibt es bereits ein Skateboardgymnasium. Dennoch betont Antonio Aiello: "Ich möchte Skateboardfahren hier nicht als 'das einzig Wahre' präsentieren. Aber es ist meine Leidenschaft - und diese möchte ich mit den Kindern teilen."

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foto: privat

Judith Lettner: "Meine Motivation für den Lehrberuf? Kinder dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden."

Judith Lettner (die gelernte Schauspielerin hat eine vierjährige Ausbildung absolviert und ist soeben gemeinsam mit ihren Kolleginnen Sabine Schmidt und Verena Mayr mit ihrem ersten Programm 'Mischen is possible' aufgetreten) wird Volksschullehrerin. Sie weiß um die Bedeutung der Persönlichkeitsentwicklung für Lehrerinnen und Lehrer:

"Sicheres Auftreten, authentische Selbstdarstellung und eine ausdrucksvolle Körpersprache sind Kompetenzen, denen ich im Zuge meines Schauspielstudiums begegnet bin und die mich sowohl in meinem Privatleben als auch bei meiner Arbeit als angehende Pädagogin unterstützen."

Was ihr pädagogisches Anliegen ist? In ihrem zukünftigen Unterricht ihre SchülerInnen bei deren Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten: "Ich möchte den SchülerInnen meine Erfahrungen weitergeben. PädagogInnen sind Wegbereiter, deren Aufgabe es ist, den Kindern eine breite und sichere Orientierung im Leben zu geben. Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnen, als freie und selbstbestimmte Menschen durchs Leben zu gehen!"

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foto: privat

Manfred Duchkowitsch: "Ja, ich werde Lehrer! Nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium habe mich für eine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Wien entschieden. Und ich finde, es erübrigt sich jede Frage nach dem 'Warum'."

Mag. Manfred Duchkowitsch, studierter Biologe, Öko- und Erlebnispädagoge mit durchaus kräftiger Stimme (www.safersix.at), hat sich nach mehrjähriger pädagogischer Tätigkeit im außerschulischen Bereich für die Ausbildung zum Mittelschullehrer entschieden: "Ja, ich möchte unterrichten. Ich meine, dass Lehren eine sinnstiftende und erfüllende Aufgabe darstellt. Lehrer sein heißt für mich, junge Menschen auf ihrem Weg in die Gesellschaft zu begleiten. Auch in einer Institution, die, obwohl sie grundsätzlich gute Arbeit leistet, von jedem Fachmenschen (und Fachmensch ist hier jeder) angezweifelt wird (und in einem konstruktiven Maß werden soll).

Meine Überzeugung, dass Wissen zu einer wirklichen (und nicht nur monetären) Teilhabe an der (sich ständig wandelnden) Gesellschaft führt, meine Begeisterung für Wissensinhalte und schließlich meine Erfahrung als Outdoor- und Erlebnispädagoge geben mir das Gefühl, in diesem Job gut aufgehoben zu sein."

Sein Motto? "Das Leben übersteigt unendlich alle Theorien, die man in Bezug auf das Leben zu bilden vermag. "(Boris Pasternak, Über Kunst und Leben) "Ich bin also lieber im Leben als in der Theorie. Und ich möchte mich damit auseinandersetzen. Auch mir zuliebe. Denn ich werde ständig dazulernen." (Andrea Vanek-Gullner, derStandard.at, 3.7.2013)

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