Ratingagenturen und Aufsicht erhöhen Druck auf Banken

3. Juli 2013, 17:50
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Frankfurt/Wien - Die Ratingwächter von Standard & Poor's stellen drei europäischen Großbanken ein schlechteres Zeugnis aus. Was den Kreditanalysten nicht schmeckt, ist die große Abhängigkeit dieser Institute vom Investmentbanking. Denn sowohl höhere Risiken als auch die gestiegenen regulatorischen Anforderungen werden die Gewinne in dieser Sparte in den kommenden Jahren deutlich drücken, glaubt S&P. Mehr noch, die Analysten warnen davor, dass es künftig "weniger und vor allem weniger attraktive Geschäftsmöglichkeiten für systemrelevante Banken geben wird". Diese Großbanken gelten als "too big to fail", also zu groß, als dass sie Pleite gehen könnten.

Dabei kündigten diese Woche eine Reihe von Regulatoren neue, oder zumindest konkretere, Maßnahmen zur Regulierung der Finanzmärkte an. Die US-Notenbank Federal Reserve etwa verschärfte ihre Tonart gegenüber den größten Geldinstituten. So berichtet das Wall Street Journal, dass kommende Woche eine wichtige Kennzahl, die Leverage Ratio, deutlich verschärft werden dürfte. Diese Zahl gibt an, wie groß die Bilanz einer Bank im Vergleich zu ihrem Eigenkapital ist. Aktuell wird eine Leverage Ratio von drei Prozent erwogen, die wichtigsten US-Aufsichtsbehörden planen aber aktuell eine Einführung von fünf bis sechs Prozent für die größten Institute. Diese Megabanken würden bei einem Kollaps ansonsten das gesamte Finanzsystem gefährden.

Auch die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat diese Woche Nachschärfungen bei ihrer Regulierung vorgenommen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht will das Regelwerk für die "systemrelevanten" Banken ein Jahr früher fertigstellen als geplant, wurde am Mittwoch mitgeteilt. Diese Banken müssen stärker über Eigenkapital finanziert sein als die übrigen Geldhäuser. Je nach Risiko muss der Anteil der Eigenmittel an den Verbindlichkeiten der Bank zwischen acht und 9,5 Prozent betragen. Für "normale" Banken liegt dieser Satz bei sieben Prozent.

Auch bei einigen Detailfragen haben die Aufseher in Basel nachjustiert. So müssen Banken künftig eine Reihe von besonderen Indikatoren für ihre Gesundheit ausweisen, wenn sie eine Bilanzsumme von mehr als 200 Milliarden Euro aufweisen. (sulu, DER STANDARD; 4.7.2013)

 

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