Reisbier

Kolumne4. Juli 2013, 19:48
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Conrad Seidl über Biere, in denen Reis als Zutat für ein besonderes Mundgefühl sorgt

Im Restaurant Mangelire in Arles soll es Reisbier geben. Nicht irgendein Bier, dem ein bisserl Reis zugesetzt ist, sondern eines, bei dem der Reis einen entscheidenden Beitrag zu Aroma, Geschmack und Mundgefühl leistet. Man denkt da zuerst an Sake, jenes japanische Bier mit Schimmelpilzgärung, das fälschlich als "Reiswein" bezeichnet wird. Es fällt einem auch ein, dass lange Zeit (als der Gerstenmalzpreis hoch und der Weltmarktpreis für Reis lächerlich niedrig war) Reis einfach als billiger Ersatz für Malz verwendet wurde, was in manchen US-Großbrauereien noch heute üblich ist. Und schließlich fällt einem ein, dass es auch in Österreich das spritzige Zipfer Urtyp gibt, in dem etwa zwölf Prozent der Schüttung (also der verwendeten Getreidemenge) aus Reis bestehen; auch wenn der längst teurer ist als das Malz.

Aber all das träfe nicht auf das "Bière des Gardians", also das Hirtenbier aus der Provence, zu. Hier ginge es um die Verwendung des lokalen, in der Camargue angebauten roten und schwarzen Reises - wobei der rote Reis seine Farbe von der Erde, der schwarze seine von der Sorte hat. Wenn man denn das Bier bekommen könnte - denn im Mangelire ist es leider, leider aus. Ein Spar-Geschäft in Fontvielle, ein paar Kilometer östlich von Arles, sollte aber ein paar Flaschen des raren Bieres haben.

"Grain Blanc", "Grain Noir" und "Grain Rouge"

Tatsächlich, das Bier steht dort in Dreierpacks - in je einer Flasche ist weißer, roter und schwarzer Reis mitverarbeitet. Wie viel, wird leider nicht verraten - laut Deklaration ist der Reisanteil aber geringer als der Malzanteil, was auch wegen der Enzymkraft von Gerstenmalz Sinn ergibt. Also die Flaschen gekühlt und frisch verkostet! Das "Grain Blanc" mit dem Zusatz von weißem Reis ist ein spritziges, aber ansonsten eher unauffälliges Lagerbier, das "Grain Noir" ein dunkles Ale, in dem die Röstnoten des dunklen Malzes den Eigengeschmack von schwarzem Reis überdecken.

Aber das dritte Bier, das "Grain Rouge", das hat es in sich! Die Brauer der Brasserie Artisanale du Sud haben hier tatsächlich ein rötlich-bernsteinfarbenes Bier mit einem leichten Bisquitaroma, einem frisch-säuerlichen Antrunk bei gleichzeitig milder Bittere und einem kernigen Mundgefühl, das tatsächlich an den roten Reis der Camargue erinnert, geschaffen. Die verfügbaren Mengen sind sehr gering - und das Bier, wie erwähnt, oft ausverkauft, aber die Suche danach lohnt den Aufwand. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 5.7.2013)

  • Das "Grain Rouge", das hat es in sich!
    foto: conrad seidl

    Das "Grain Rouge", das hat es in sich!

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