Bitte recht feindlich!

10. Juli 2013, 16:52
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Gegen Schädlinge wie Spinnmilben und Schildläuse holt man am besten deren natürliche Feinde, Fadenwürmer und Florfliegen, in den Garten

Der Nützling ist den Schädling sein Feind. So oder so ähnlich muss Herbert Prohaska geantwortet haben, falls er je gefragt wurde, wie er es mit Dickmaulrüsslern und Spinnmilben hält.

Gemeinen Gartengenossen wie diesen beiden kann man das Leben versauern, indem man Nützlinge durch gute Gartengestaltung zum Bleiben überredet. Besonders auch in Glashäusern und anderen abgeschlossenen Beetsystemen sind die braven Viecherln wertvolle Unterstützer im Kampf gegen das Böse im Grün.

Zu diesen Helfern gehören etwa die Nematoden, also Fadenwürmer. Dass man diese oft kaufen muss, verwundert ein wenig - vor allem, wenn man weiß, dass die Nematoden ungefähr 80 Prozent aller Tiere auf unserem Planeten ausmachen. Aber bitte, soll sein. Die Bandbreite an Nematoden ist entsprechend groß, die meisten sind mikroskopisch klein, es gibt aber auch Kaliber, die einige Meter lang werden können. Die kann man dann dressieren und auch als Wachhund einsetzen.

Recht anziehend auf Gärtner wirkt der Fadenwurm Heterorhabditis bacteriophora. Denn diesem wohnt ein Bakterium inne, das sich - hat der Wurm einmal den Weg in die Larve des Dickmaulrüsslers gefunden - rapide vermehrt und den Schädling tötet.

Schon hat man die Schererei!

Sobald der Boden über zwölf Grad Celsius hat, kann man die Nematoden gleichmäßig ausbringen. In der Regel werden diese in einem Tonpulver verkauft, das man dann in Wasser auflöst und erst abends in den Boden einbringt. Abends deswegen, weil die Nematoden sensibel auf UV-Licht reagieren. In der Erde angelangt, suchen sie sich die Larven, dringen in deren Körper ein und lassen sogleich ihr Bakterium wirken. Für 20 Quadratmeter Terrain benötigt man übrigens rund 10 Millionen Tiere - das ist aber angesichts des niedrigen "Stückpreises" verschmerzbar. Es gibt unter den Nematoden wahre Spezialisten - also auch solche gegen die Maulwurfsgrille im Jugendstadium, gegen Wiesenschnaken und Trauermücken.

Gurken und Paradeiser in Gewächshäusern werden häufig von Weißen Fliegen befallen. In Wahrheit sind das Mottenschildläuse, aber man darf ruhig Weiße Fliegen zu ihnen sagen. Deren Nymphen saugen an den Blättern und scheiden dabei Honigtau aus - der ist wiederum für Schimmelpilze ein wunderbares Nährmedium. Schon hat man die Schererei!

Gruppe der natürlichen Helferlein

Gegen Weiße Fliegen helfen Schlupfwespen. Die nur einen Millimeter kleine Encarsia formosa unterbricht nämlich die Fortpflanzung der Schildläuse, indem sie deren Puppen als lebende Nahrung für den eigenen Nachwuchs heranzieht. Noch keine Puppe hat das je überlebt.

Zu guter Letzt bitten wir noch einen weiteren Vertreter aus der Gruppe dieser natürlichen Helferlein vor den Vorhang: den Florflieg (Plural: die Florfliegen). Erwachsene Florfliegen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie ernähren sich zwingend von Pollen, Honigtau und Nektar, es muss im Garten also stets etwas blühen. Ihre Eier legen sie nicht in Reih und Glied, sondern versehen jedes einzelne mit einem Stiel, damit ausreichend Abstand zwischen den schlüpfenden Larven gewährleistet ist - die würden sich sonst gegenseitig auffressen.

Florfliegenlarven verspeisen alles, was nicht auf drei auf dem Baum ist und ihnen zwischen die Zangen passt. Einige hundert Blattläuse pro Florflieg sowieso. Aber gehen die einmal aus, werden auch Marienkäferlarven und andere Nützlinge ausgezuzelt. Und weil ihr Hunger nie zu stillen ist, wird der Florflieg auch von Erwerbsgärtnern quasi als Feuerwehr bei jedwedem Schädlingsbefall eingesetzt. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 5.7.2013)

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