Eiswürfel im Wein

4. Juli 2013, 17:22
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Quasi zurück zur Natur - Oder: Wasser hat im Wein nichts zu suchen


Pro: Zurück zur Natur
Von Roman David-Freihsl

Beim Spritzwein ist es selbstverständlich keine Frage - natürlich gluckern in den die Eiswürferln hinein. Was eh schon verwässert ist, kann schon nimmer zerstört werden. Aber was, wenn reiner Wein eingeschenkt wird? Um den runterzukühlen, haben wir ja nicht nur den Eiskasten, sondern haben auch sonst aufgerüstet. Schnellkühlermanschetten zum Beispiel. Die aus dem Tiefkühlfach genommen, über die Flasche gestülpt - und der bacherlwarme Weißwein ist binnen Minuten auf Solltemperatur unten.

Nur: Bis die Manschetten die richtige Frostigkeit erlangen - das dauert um einiges länger. Und wer vergisst, sie rechtzeitig ins Tiefkühlfach zu tun, der steht dann halt - vor den Eiswürferln. Soll man - soll man nicht? Dann aber der rettende Gedanke: Die Weine werden doch ohnehin bei einigen Winzern in jüngster Zeit mehr und mehr "verdichtet". Sprich: Es wird ihnen Wasser entzogen. Also Eiswürferln rein, zergehen lassen - und der Wein ist im Grunde wieder, wie er vorher war. Quasi zurück zur Natur.

Kontra: Mischen ja - aber richtig
Von Christoph Winder

These 1: Wasser ist Wasser. These 2: Wasser bleibt Wasser, auch wenn es kalt und würfelförmig in Erscheinung tritt. These 3: Wasser hat im Wein nichts zu suchen. Die Ersten, die damit begonnen haben, Wein mit Wasser zu pantschen, waren die Griechen, und wo die heute stehen, wissen wir.

Natürlich: Die Eiswürfel im Wein sind die klassischen Notnägel. Erst hat man den Plan gefasst, Gäste, Gattin oder Geliebte nach allen Regeln der Kunst einzutrankeln, dann aber darauf vergessen, die Bouteillen rechtzeitig in den Eisschrank zu stellen. Idiotisch. Der zischfrisch poppende Champagner ist allemal verführerischer als ein Warmriesling oder ein Lauburgunder.

Aber: Selbst in dieser Notsituation ist es stillos, Wein mit Wasserwürfeln zu mixen. Wenn schon Mischgetränke, dann nur die Klassiker: entweder einen Didi on the Rocks (ein Teil Veltliner Smaragd, ein Teil Red Bull) oder einen Bordeaux-Fetzi (ein Teil Bordeaux, drei Teile Cola light). Am besten mundet's mit einem Grand Cru aus einem erstklassigen Jahrgang. (Rondo, DER STANDARD, 5.7.2013)

  • Die Weine werden doch ohnehin bei einigen Winzern in jüngster Zeit mehr und mehr "verdichtet". Sprich: Es wird ihnen Wasser entzogen.
    foto: andrea maria dusl

    Die Weine werden doch ohnehin bei einigen Winzern in jüngster Zeit mehr und mehr "verdichtet". Sprich: Es wird ihnen Wasser entzogen.

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