Kein Platz für Spocks Heimatwelt in unserem Sonnensystem

2. Juli 2013, 19:19
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Initiative von Star-Trek-Fans gescheitert: Pluto-Monde erhalten Namen aus der griechischen Mythologie, "Vulcan" wurde abgelehnt

New York - Star-Trek-Fans sind in Sachen Kampagnen nicht ungeübt und bisweilen sogar erfolgreich: In den 70er Jahren etwa deckten sie das Weiße Haus mit einer Flut von Briefen ein, in denen sie den US-Präsidenten darum baten, das erste Space-Shuttle "Enterprise" zu benennen. Eigentlich hätte dieser nicht raumflugtaugliche Prototyp "Constitution" heißen sollen, doch die Regierung ließ sich schließlich erweichen.

Nun jedoch sind Trekkies mit einer neuen Kampagne abgeblitzt. Diesmal ging es um die Namen für zwei Monde des Zwergplaneten Pluto, die bislang nur die Bezeichnungen "P4" (bzw. eigentlich "S/2011 (134340) 1") und "P5" ("S/2012 (134340") 1) trugen. Der 20 bis 40 Kilometer große Mond P4 wurde erst im Juli 2011 mit Hilfe des Hubble-Teleskops entdeckt. P5, der auf 10 bis 25 Kilometer geschätzt wird, folgte ein Jahr später.

Ein Vorschlag kommt an

Die Namensgebung liegt letztlich in der Entscheidungsgewalt der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Da aber SETI-Astronomen die beiden winzigen Monde entdeckt hatten, startete das SETI-Institut im Februar eine unverbindliche Internet-Umfrage: Es standen einige Namen aus der griechisch-römischen Mythologie zur Auswahl, plus eine Option für eigene Vorschläge.

Auftritt für William Shatner: Der Captain Kirk der "Star Trek"-Originalserie schlug "Vulkan" und "Romulus" vor. Letzteres wurde gestrichen, weil es bereits einen kleinen Himmelskörper dieses Namens im Sonnensystem gibt. "Vulkan" - in englischer Schreibweise: "Vulcan" - fand jedoch Aufnahme in die Kandidatenliste. Durch die Stimmen von "Star Trek"-Fans ging Spocks Heimatplanet als überlegener Sieger aus der Abstimmung hervor.

... aber nicht bei denen, die entscheiden

Doch war dieses Ergebnis nicht bindend und die IAU fühlte sich auch nicht daran gebunden. Sie behält für Pluto, benannt nach dem römischen Gott der Unterwelt, lieber das mythologische Grundthema bei: P5 heißt nun nach dem Fluss, der die Welt der Lebenden von der der Toten trennt, Styx. Und P4 trägt fortan den Namen des dreiköpfigen Höllenhundes Kerberos; die gängigere Schreibweise "Cerberus" wurde verworfen, weil es bereits einen Asteroiden gibt, der so heißt.

Styx und Kerberos fügen sich damit in die Nomenklatur der übrigen Pluto-Monde ein: Charon (der Fährmann der Toten), Nix (die Göttin der Nacht) und Hydra (ein Seeungeheuer und zugleich Schwester des Kerberos). 

Genauere Informationen über die beiden Monde erhoffen sich Astronomen ab 2015: Dann soll die 2006 von der Erde gestartete NASA-Sonde "New Horizons" das Pluto-System erreichen und aus wenigen tausend Kilometern Entfernung Fotos von Pluto und seinen Monden machen. (red, derStandard.at, 2. 7. 2013)

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    Eher enttäuschend als faszinierend dürfte Spock die Entscheidung der IAU finden, keinen Pluto-Mond nach dem Planeten Vulcan zu benennen. Aber vielleicht ist das auch schon eine unangebrachte Emotion.

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    Überblick über das Pluto-System: Mit Charon hat der Zwergplanet einen Mond, der vom Durchmesser her halb so groß ist wie er selbst. Die anderen vier Monde sind Winzlinge.

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