Dayli-Angestellte stehen vor leeren Regalen

Reportage2. Juli 2013, 18:20
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"Ich will endlich Klarheit haben": Die Mitarbeiter der Drogeriekette warten ab, wie es mit dem Schlecker-Nachfolger weitergeht

Wien - "Man muss flexibel sein", meint eine Mitarbeiterin von Dayli in Wien auf die Frage zu ihrer Versetzung. Ihre frühere Filiale wurde vor einer Woche geschlossen. Innerhalb weniger Tage nach der Ankündigung wurden die Fenster verklebt, ein Zettel hängt seitdem an der Tür: "Holen Sie Ihre Fotos bitte in der oben genannten Filiale ab." Die Mitarbeiterinnen wurden aufgeteilt, entlassen wurde offenbar niemand. Insgesamt seien wohl manche im Unternehmen freiwillig gegangen.

In der neuen Arbeitsstätte sind sie zu dritt, aber im Grunde sei es ohnehin egal, ob jemand im Laden ist. "Es kommt ja niemand vorbei, um zu kontrollieren." Die zweite Angestellte zeigt sich zunächst demonstrativ sorglos, hat dann aber beim Abschied sehr wohl Tränen in den Augen.

"Uns sagt keiner etwas, wir lesen es selber nur in der Zeitung", ist die erste Antwort in allen besuchten Filialen. Namentlich genannt werden wollen sie angesichts der heiklen Lage nicht. Die Regale sind nur noch einreihig befüllt. Die Lieferungen sind seit einigen Wochen ausgeblieben. Vor zwei Wochen gab es eine Rabattaktion. 40 Prozent auf alles. Ob die für etwas gut gewesen sei? "Na hoffentlich für unsere Gehälter", sagt eine andere Verkäuferin und lacht resigniert.

Leere Regale

Aber die Regale sind anschließend natürlich noch leerer. "Ja, schauen Sie doch", sagt eine Kundin vor dem Eingang. Mit einer wirschen Handbewegung weist sie in Richtung der spärlich befüllten Regale. "Da geht man doch lieber zum dm gleich nebenan."

Viele Kunden verlassen die Läden, ohne etwas zu kaufen. Sie könne ihnen nun mal nicht anstelle von Klopapier etwas anderes verkaufen, wenn die Ware ausbleibt, klagt die Verkäuferin. Die Kunden seien ohnehin enttäuscht, dass die Filialen nicht wie versprochen ausgebaut worden sind. Die Konkurrenz von den Supermärkten in der Nähe fürchtet sie nicht. Zentraler gelegene Filialen hätten es da schwerer. Zur Sonntagsöffnung meint sie, dass sie früher oder später ohnehin für jeden im Einzelhandel kommen werde. Aber dass die Dayli hätte retten können, glaubt die Angestellte nicht. "Ich bin nur froh, wenn es endlich Klarheit gibt."

Die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt, meint eine Kollegin in einem anderen Bezirk. Solange noch nichts Schriftliches vorliegt, könne man nur abwarten. Sie wäre bereit, auch am Sonntag ab und zu zu arbeiten, auch wenn sie sich nicht sicher ist, dass das etwas bringen würde. Die derzeitige Situation vergleicht sie mit dem vergangenen Jahr, als der Dayli-Vorgänger Schlecker schon knapp vor der Pleite stand: Damals sei es auch irgendwie gegangen.

Die beiden anderen sind da weit weniger optimistisch. "Vor einem Jahr sah es auch schlecht aus, aber diesmal war's das wirklich. Man kann auch die Kunden nicht so vor den Kopf stoßen", meint jene Kollegin, die trotz der scheinbar ausweglosen Situation stets ein Lächeln auf den Lippen hat. "Ich will nur noch einen Strich drunter ziehen." (Greta Sparer, DER STANDARD, 3.7.2013)

  • Leere Regale in den Filialen.
    foto: robert newald

    Leere Regale in den Filialen.

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