Medizin-Studium in Linz: Die politische Fakultät

Kommentar2. Juli 2013, 18:18
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Eine schwache Regierung ist vor einer Wahl am schwächsten

Ist schon wieder 24. September? Offenbar findet der 24. September 2008 heuer im Juli statt. Damals bescherte jener legendär gewordene rot-blau-grüne One-Night-Stand im Nationalrat den für etwas schlicht gehaltenen Wählern vier Tage vor der Wahl Wahlgeschenke im Wert von mehreren Milliarden Euro. Nun also soll Linz eine Medizin-Fakultät bekommen. Die Einigung zwischen Bund und Land Oberösterreich rechtzeitig vor der Wahl ist zwar von der finanziellen Dimension her beträchtlich kleiner, aber vom politischen Prinzip 24/09/08 ähnlich.

Nicht nur, dass sie inhaltlich mehr als fragwürdig ist, weil das Problem der abwandernden Ärzte nicht durch die Produktion von noch mehr (abwandernden) Ärzten gelöst werden wird. Oder vermeintliche Petitessen wie die mit der EU mühsam verhandelte Quotenregelung für das Medizinstudium erst gar nicht geklärt wurden. Es ist die föderalistische, wenig akademisch getriebene Haben-wollen-Attitüde, die nach politischer Fakultät riecht. Wir wollen das! Auf jeden Fall!! Noch vor der Wahl!!! Und eine schwache Regierung ist vor einer Wahl am schwächsten.

Darum konnte ihr auch eine skurrile Rechenkonstruktion bis 2042 verkauft werden. Warum 2042? Wieso nicht 2025? Oder 2070? Weiß keiner so genau. 2042 ergibt jedenfalls einen recht kommoden Beitrag Oberösterreichs von acht Millionen pro Jahr. Bei guter Führung müssen bis dahin sechs Bundesregierungen damit zurande kommen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 3.7.2013)

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