Das Bürgerkraftwerk auf dem Bahnhof Wien-Mitte

2. Juli 2013, 18:16
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Am Dienstag wurde das fünfte Beteiligungskraftwerk in Wien präsentiert: Die größte innerstädtische Photovoltaikanlage soll auf den Dächern über dem Bahnhof Wien-Mitte entstehen und Strom für 160 Haushalte liefern

Wien - Die ersten vier Wiener Bürgersolarkraftwerke gingen weg wie die sonnengewärmten Semmeln. Vier Beteiligungskraftwerke mit insgesamt 7880 Paneele wurden im Rahmen der ersten Verkaufswelle errichtet. Die Module für die Stromerzeugung in Donaustadt und Leopoldau waren binnen Stunden ausverkauft - jene in Simmering und Liesing waren binnen längstens einer Woche ratzfatz weg.

Das heißt aber auch, das jeweils binnen kürzester Zeit Privatkapital von insgesamt knapp 7,5 Millionen Euro aufgestellt werden konnte. Die ersten vier Bürgerkraftwerke liefern nun Strom für rund 800 Wiener Haushalte.

Größte innerstädtische Aufdachanlage

Ein glattes Erfolgsmodell, das auch schon von einigen anderen Kommunen in Österreich und Europa übernommen worden sei, bilanzierten die Vizebürgermeisterinnen Renate Brauner (SPÖ) und Maria Vassilakou (Grüne) am Dienstag - und präsentierten die nächste Ausbaustufe: Das fünfte Bürgersolarkraftwerk soll nicht mehr an der Peripherie der Stadt installiert werden - sondern auf den Dächern des neuen Bauwerks über dem Bahnhof Wien Mitte.

Dieses Sonnenstromkraftwerk soll laut Wien Energie die bis jetzt "größte innerstädtische Aufdachanlage" werden: 1800 Paneele werden auf den Dachflächen errichtet - mit einer installierten Leistung von insgesamt 450 kWp. Geplant ist eine Jahresproduktion von rund 400 Megawattstunden, was dem Strombedarf von rund 160 Wiener Haushalten entspricht. Diese Betonung auf Wiener Haushalte ist insofern wichtig, weil im großstädtischen Schnitt deutlich weniger Strom verbraucht wird, nämlich rund 2500 kWh pro Jahr als im restlichen Österreich zusammen. Der gesamtösterreichische Schnitt liegt bei rund 4000 kWh pro Haushalt.

Sieben neue Anlagen

Weitere Beteiligungskraftwerke seien bereits in Vorbereitung, heißt es weiters bei Wien Energie. Insgesamt seien 2013 sieben Anlagen vorgesehen, sagte Wien-Energie-Geschäftsführerin Susanna Zapreva - Details wolle man aber erst dann bekanntgeben, wenn die entsprechenden Verträge unter Dach und Fach seien.

Ziel ist es jedenfalls, dass mit Bürgerhilfe auch heuer wieder in etwa so viel Photovoltaikkapazität installiert werde, wie bei den im Vorjahr angeleierten Projekten. Dass also dann rund zwei Megawattstunden Ökostrom zusätzlich produziert werden.

Paneele an Bürger verkauft

Die Bürgerbeteiligung funktioniert wie gehabt: Planung, Bau und Betrieb des Photovoltaikkraftwerks übernimmt Wien Energie. Die Paneele selbst aber werden ab sofort an Bürger verkauft. Ein Modul kostet 950 Euro und es wird eine Verzinsung von jährlich 3,1 Prozent garantiert. Nach rund 25 Jahren - das entspricht der durchschnittlichen Lebensdauer eines Solarmoduls - kauft Wien Energie die Paneele dann wieder zurück.

Das weitere Fernziel: Bis 2030 will die Stadt Wien rund 40 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energieträgern abdecken, hat sich Energie-Planungsstadträtin Vassilakou vorgenommen. Das Unternehmen Wien Energie will bis zu diesem Zeitpunkt sogar insgesamt 50 Prozent der Stromproduktion auf Öko umstellen.

1000 Photovoltaikanlagen seit 2010

Stadtwerke-Stadträtin Brauner begründet die Fortsetzung der Beteiligungskraftwerke übrigens mit der Volksbefragung im März, bei der sich rund 67 Prozent dafür ausgesprochen hatten.

Wie hoch das Interesse ist, hätte man aber auch nicht nur an der rasanten Beteiligung bei den ersten vier Anlagen ablesen können. Wien hatte zwar im internationalen Vergleich lange gebummelt - aber seit 2010 wurden laut Vassilakou rund 1000 Photovoltaikanlagen errichtet, was einer Leistung von 19.000 Megawattstunden und dem Strombedarf von 7000 Haushalten entspreche. Wiener Haushalten, wohlgemerkt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 3.7.2013)

  • Die Eckdaten des Bürgerkraftwerks.
    foto: wien energie

    Die Eckdaten des Bürgerkraftwerks.

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