Das gefilterte Internet auf der Kitzbüheler Skipiste

2. Juli 2013, 18:03
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Tiroler Projekt "Free Key" versorgt Touristen mit kostenlosem Netzzugang und übernimmt die Haftung

Smartphone, Tablet und Notebook nutzende Touristen sind dankbar, wenn in Hotels, auf Skipisten oder Almhütten die Bildschirmanzeige ihrer Geräte vermittelt: Ja, WLAN ist verfügbar, und - noch besser - es ist kostenlos. Hohe Roamingkosten machen die kabellosen, lokalen Netze zu gern gesehenen Services, die von Touristikern, Gemeinden und durch Werbung finanziert werden. Der Service ist aber auch mit Risiken verbunden. Wer haftet bei Cyberkriminalität, die von einem derartigen WLAN-Hotspot ihren Ausgang genommen hat? Eigene Hotspot-Betreiber bieten an, dieses Problem zu lösen.

Walter Innerebner ist einer von ihnen. Mit seiner in Innsbruck ansässigen Firma stattet er unter dem Projektnamen "Free Key" Gastgewerbebetriebe, öffentliche Plätze und andere touristische und nichttouristische Einrichtungen in Österreich und Deutschland mit Hotspots aus, wofür er Mittel des Programms "Austrian Electronic Network" des Verkehrsministeriums und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG lukrieren konnte.

Um rechtliche Folgen zu minimieren, werde der Internetzugang gefiltert, erklärt Innerebner. Sogenannte Torrent-Seiten, über die urheberrechtlich geschützte Inhalte illegal geladen werden können - gerade in Deutschland sind diesbezügliche Anwaltsbriefe bereits gang und gäbe -, werden ebenso geblockt wie eventuell nicht jungendfreie Inhalte. Er sei mit seinen Mitarbeitern dabei, einen eigenen "lernfähigen" Filter zu programmieren, der selbsttätig die Liste der zu blockierenden Seiten erweitert, erklärt Innerebner.

Authentifizierung

User der Hotspots müssen sich per E-Mail oder SMS authentifizieren. Daten wie Zeit, Netzwerkadresse und Standort werden unter Berücksichtigung von Datenschutzbestimmungen gespeichert. "Nicht speichern darf man die Inhalte, die der User angeschaut hat", sagt Innerebner. Und falls trotz Filter etwas passieren sollte, setzt man "sich mit den Anwälten zusammen". Gegebenenfalls müssen Übeltäter ausgeforscht werden.

Das Unternehmen habe 14 Mitarbeiter in Österreich, die auch eigene Router aus ausgewählten Komponenten bauen, die stabiler laufen und besser aus der Ferne gewartet werden können als handelsübliche, erklärt Innerebner. Zwei Techniker entwickeln die Geräte stetig weiter. Die Hotspots sind an eine Serverfarm in Deutschland angebunden, ein Backup liegt in Innsbruck.

Im Zuge des Projekts, das seit einem Jahr besteht, wurden bereits 1000 Hotspots installiert. Auch die Skipisten in Kitzbühel werden ab kommendem Winter mit Free Key versorgt. Nach Österreich und Deutschland will Innerebner mit der Idee auch in der Schweiz und in Frankreich Fuß fassen. Ziel ist es, besonders den öffentlichen Bereich abzudecken. Die Problematik dabei ist, laut Innerebner, "dass man die richtigen Menschen erreicht, die Entscheidungen treffen dürfen". (pum, DER STANDARD, 3.7.2013)

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    Hotspot-Betreiber sorgen für frei verfügbares WLAN und übernehmen die Haftung.

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