Ringen um Lösung für Tiroler Downhill-Biker

2. Juli 2013, 18:02
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Die Downhill-Szene in Tirol wünscht sich die Adaption von Pisten und Liften rund um Innsbruck über den Sommer. Im Streit um Wegerechte steht ein Vorschlag im Raum, Biker elektronisch zu überwachen

Innsbruck - Im Sommer sind sie aus dem Innsbrucker Stadtbild nicht mehr wegzudenken: die Downhill-Mountainbiker, die Burschen und Mädchen mit Vollvisierhelm, Schienbeinschutz und den vollgefederten Bikes mit den tiefen Sitzen. Ihre Lieblingsroute geht von Igls, Lans oder Sistrans übers Lanserköpfl zurück in die Tiroler Landeshauptstadt. "Am Anfang der Saison ist die Strecke übers Lanserköpfl besonders super", sagt der 16-jährige Wolfi: "Sie ist nicht so anspruchsvoll wie der Single Trail auf der Nordkette." Dieser gilt als gefährlich, da er nahezu vertikal nach unten geht. Er verläuft nämlich genau unterhalb der Seilbahn, die auf die Seegrube führt: die Nordketten-Bahn. Deren Betreiber war 2004 der einzige Grundbesitzer, der Fläche für einen Trail zur Verfügung gestellt hatte.

Vor einigen Wochen beendeten die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) den Downhill-Spaß vom östlichen Mittelgebirge nach Innsbruck - der Standard berichtete. Der Transport der speziell fürs Abwärtsfahren gebauten Spezialräder mit der Straßenbahnlinie 6 und der Buslinie J in Richtung Igls wurde verboten. Zuerst munkelte man in der Szene, dass die Bikes wohl zu viel Dreck in die Bim gebracht hätten. Oder dass es zu wenig Platz für Kinderwägen gebe. Doch eigentlich hatte das Verbot für IVB-Chef Martin Baltes hauptsächlich juristische Gründe: Denn das Runterbrettern durch die Trails im Wald des Lanserköpfl für den Adrenalinkick ist schlicht illegal, die Grundbesitzer haben die Wege dafür nicht freigegeben. Baltes versprach dafür spezielle Transportmöglichkeiten, sobald die Abfahrt legalisiert sei.

Plombe am Rad

Eine Lösung sei in Arbeit, hieß es nun aus dem Stadtmagistrat. "Im Trockenen ist aber noch nichts", sagt der Sprecher der Initiative Mountainbike, Roland Hofer. Hofer, selbst leidenschaftlicher Downhiller, hat sogar Verständnis für die Grundbesitzer entlang des Lanserköpfl. Immerhin gehe es um die Wegehaftung. Bevor sie einer Lösung zustimmen, pochen die Grundbesitzer aber auf ungehinderte Wald- und Jagdbewirtschaftung. Im Raum steht auch eine Überwachung der Radstrecken. So könnte etwa ein begrenzter Weg, eine Art Korridor, ausgesteckt werden. An bestimmten Punkten soll eine elektronische Kontrolle stattfinden.

Dazu müsste eine Plombe am Rad angebracht werden. Wenn ein Downhiller den Trail dann korrekt durchfährt, soll er wieder mit der IVB nach oben gebracht werden. Damit sollen illegale Abfahrten irgendwo im Wald verhindert werden. "Eine Lösung muss bald her", sagt ein 30-jähriger Downhiller und Familienvater, der ungenannt bleiben will: "Derzeit radeln die Jungen alle auf der Nordkette, irgendwelche Wege. Man kann gar nicht mehr spazieren gehen, immer kommt einer um die Ecke. Aber das ist klar, der Single Trail ist zu gefährlich, das Lanserköpfl nicht erreichbar." Er selbst baut sein Downhill- zu einem Enduro-Bike um: "Dann fahre ich das Lanserköpfl rauf und runter."

Hohe Kosten

Für Roland Hofer ist das Bike mit Plombe schwer vorstellbar. Die veranschlagten Kosten sind jedenfalls enorm. Allein die technische Studie würde 21.000 Euro kosten, für die Hard- und Software für die Strecke werden 227.000 Euro gerechnet. Hofer wünscht sich nicht nur die Freigabe der Trails über das Lanserköpfl, sondern eine Adaption von Skipisten um Innsbruck, etwa der Mutterer Alm oder des Patscherkofel. "Man muss nur nach Whistler Mountain blicken" sagt Hofer. In dem US-Skigebiet rechneten sich Lifte im Sommer wegen der Biker. (Verena Langegger, DER STANDARD, 3.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Szene der Mountainbike-WM 2012 im Bikepark Leogang in Salzburg, zu dessen Startpunkt eine Seilbahn führt. Den Transport von Bike und Fahrer auf die Berge rund um Innsbruck zu organisieren gestaltet sich deutlich schwieriger.

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