Viele Differenzen und ein weiterer Abgang

2. Juli 2013, 18:32
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Nach Johannes Ditz nimmt auch Hypo-Chef den Hut - Kranebitter wurde zuvor von Fekter kaltgestellt

Erst im Juni hatte Aufsichsratschef Johannes Ditz den Hut genommen, am Dienstag folgte ihm der Vorstandsvorsitzende der Kärntner Hypo Alpe Adria. Gottwald Kranebitter verlässt die Staatsbank nach mehr als dreijähriger Tätigkeit, weil Spekulationen über Zerschlagung und Horrorverluste des Instituts "einen großen Teil der Konsolidierungsarbeit der letzten drei Jahre zunichtegemacht haben".

Ganz überraschend kam der Schritt nicht. Ditz und Kranebitter hatten auf einer härteren Gangart im Kampf gegen die EU-Kommission gepocht, die für die Genehmigung der staatlichen Beihilfen zuständig ist und eine rasche Abwicklung des Instituts fordert. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat sich wiederholt beklagt, dass die versprochene Restrukturierung hinausgezögert werde und immer neue öffentliche Mittel verschlinge.

Wegen ihrer Gegenwehr waren Ditz und Kranebitter von Finanzministerin Maria Fekter letztlich kaltgestellt worden. Sie wurden von der Erarbeitung des neuen Sanierungsplans ausgeschlossen und auch nicht in die für die EU-Verhandlungen ins Leben gerufene Taskforce berufen.

Übers Kabinett gesteuert

Fekter steuert die Bank seither quasi über ihr Kabinett, in das sie den pensionierten Wirtschaftskammer-Bankmann Herbert Pichler geholt hat, und über die staatliche Banken-Holding Fimbag. Sie wird von Ex-Notenbank-Chef Klaus Liebscher geleitet, der Ditz kürzlich als Aufsichtsratspräsident der Hypo nachfolgte.

Die Differenzen von Kranebitter mit Fekter waren bereits vor knapp zwei Jahren deutlich geworden, als der Neo-Banker öffentlich für die Schaffung einer Bad Bank eingetreten war. Die Finanzministerin legte sich quer und tut das bis heute, obwohl sowohl namhafte SPÖ- als auch ÖVP-Vertreter sowie die Mehrzahl der Experten diesen Schritt befürworten.

Höhere Staatsschuld

Fekters Sorge: Durch die Haftungsübernahme für die notleidenden Kredite der Bank, die stark in Südosteuropa engagiert ist, würde sich die Staatsschuld um an die 15 Milliarden Euro erhöhen. Kranebitters Argument: Weil die Bad Bank nicht dem Bankwesengesetz unterliegen würde, ersparte sich der Bund ständig neue Kapitalspritzen. Erst am Montag wurde bekannt, dass die Hypo 700 Millionen Euro für die Erstellung der Halbjahresbilanz benötigt.

Bis Jahresende könnte der Betrag auf gut zwei Milliarden steigen. Die genaue Summe hängt laut Fekter, die am Dienstag von Journalisten über den Kranebitter-Rücktritt unterrichtet wurde, vom Ausgang des EU-Verfahrens ab. Je rascher die Stilllegung einzelner Bankteile erfolgen muss, desto höher ist der Schaden anzusetzen.

Die Bilanz Kranebitters fällt entsprechend zwiespältig aus. Dem Abbau von Bankaktivitäten stehen die riesigen Finanzlücken gegenüber. Kritisiert wird zudem, dass Kranebitter seine frühere Wirtschaftsprüfer-Kollegen von Deloitte für die geschönten Bilanzen nicht stärker zur Rechenschaft gezogen habe. Geht man nämlich davon aus, dass schon die Bilanz 2008 nicht gestimmt hat (wegen der Vorzugsaktien, die kein Eigenkapital darstellen), müsse man den Wirtschaftsprüfer mit der Frage konfrontieren, wie es zur Testierung gekommen ist. Zudem soll Deloitte den Finanzchef der Bank, Johannes Proksch, heute noch immer in Bilanzfragen beraten.

Krakow nicht im Rennen

Über einen Nachfolger für Kranebitter gibt es derzeit wenig Greifbares. Auszugehen ist von einer Ausschreibung. Bis zum Abgang Kranebitters per 15. August wird sich der Abschluss des Verfahrens nicht ausgehen, meinen Insider. Möglicherweise kann der Aufsichtsrat auch gleich einen zweiten Vorstand suchen, werden doch auch Kranebitters Stellvertreter Wolfgang Edelmüller Ermüdungserscheinungen nachgesagt. Gerüchte, wonach der ehemalige Staatsanwalt und jetzige Anwalt und Hypo-Taskforce-Hypo-Mitglied Georg Krakow neuer Bankchef werden könnte, dementiert Krakow. (gras, DER STANDARD, 3.7.2013)

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