Kaputt in Klagenfurt

    2. Juli 2013, 17:12
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    Unsichere Zukunft: Am Mittwoch wird der Ingeborg-Bachmann-Preis eröffnet

    Wien - Inszenierungen und Rituale haben es an sich, dass sich in jährlichen Abständen das Gleiche wiederholt und man anschließend zur Tagesordnung übergeht. Die Hunde, so heißt es, haben gebellt, die Karawane zieht weiter. Ausnahmsweise hat der Klagenfurter Bachmannpreis nun schon im Vorfeld für Diskussionen gesorgt - und nicht erst im Nachhinein, wenn in den Feuilletons, auch das ein Ritual, wieder einmal die Blutleere des im Großraumbüro der deutschsprachigen Literatur Geschriebenen beklagt werden wird.

    Zu verdanken ist die Aufregung um die 37. Tage der deutschsprachigen Literatur, in deren Rahmen am Sonntag der Bachmannpreis verliehen wird, dem ORF und dessen Generaldirektor Alexander Wrabetz. Letzterer stellte das finanzielle Engagement der Anstalt ab 2014 infrage, was das Ende des Bachmannpreises (der vom ORF veranstaltet und organisiert sowie von 3sat live übertragen wird) in der bisherigen Form bedeuten würde. Die einen sehen seither den Kulturauftrag des ORF endgültig den Bach runtergehen, die anderen, denen der Preis egal war, entdecken nun ihre Liebe zur Klagenfurter Veranstaltung.

    Die Diskussion wurde relativ hitzig geführt, und sie wird sich wohl bis in den November, wenn der ORF das endgültige Budget 2014 beschließt, weiterziehen. Kulturministerin Claudia Schmied betonte am Dienstag, "den ORF nicht aus der Pflicht lassen" zu wollen. Man werde die Vorgänge mit "hoher Aufmerksamkeit" verfolgen und sich notfalls im Herbst zusammensetzen. Es könne aber nicht sein, so Schmied, "dass die Frage der Refundierung (der ORF-Gebühren, Anm.) immer mit dem Kulturbereich junktimiert wird."

    Betrogene Liebe

    Ab heute Abend werden sie es nun aber wieder tun. Oder immer noch. Wieder werden sich 14 Autoren - vor Publikum und live übertragen - mit ihren Texten der Jury (Burkhard Spinnen, Meike Feßmann, Paul Jandl, Hildegard E. Keller, Juri Steiner, Daniela Strigl und Hubert Winkels) stellen. Eröffnet wird die Veranstaltung, bei der fünf Preise und insgesamt 54.500 Euro zu gewinnen sind, um 20.30 Uhr mit Michael Köhlmeiers "Rede zur Literatur". Ihr Titel: Betrogene Liebe.

    Heute wird auch die Lesereihenfolge ausgelost. In dem des Weiteren aus neun Deutschen und einem Schweizer bestehenden Teilnehmerfeld sind aus österreichischer Sicht vor allem die beiden Autorinnen Nadine Kegele (33) und Cordula Simon (27) interessant, die in den letzten Monaten vielversprechende Debüts vorlegten.

    Der in München lebende brasilianische Autor Zé do Rock (57) wird mit seinem "ultradoitsh und kaudadeutsh" für Unterhaltung sorgen. Und mit dem Burgschauspieler Joachim Meyerhoff (46), der mit seinen autobiografisch grundierten Büchern Erfolge feiert, tritt, was selten vorkommt, ein Bestsellerautor an.

    Die beiden letztgenannten Autoren zeigen, dass die Veranstaltung - auch - ein Seismograf des Literaturbetriebs und seiner Struktur und Ausrichtung ist. Gegenwärtig ist das Teilnehmerfeld, was das Literarische betrifft, recht breit. Hoffentlich nicht zu breit. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 3.7.2013)

    Schwerpunkt zum Bachmann-Preis auf derStandard.at/etat

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