Höhle der Unnahbarkeit

2. Juli 2013, 17:11
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Das Angenehme an der Marke Maier: Sie tanzt mit, aber nur in Dosen

Tja, der Ruhm. Auch der kriegt irgendwann blasse Wangen; selbst bei Sportklassikern. Hansi Krankl ist fast nur noch ein Córdoba-Wandposter in einem düsteren Sportcafé. Seitdem man ihn der Champions League beraubt hat, leucht auch Herbert Prohaskas lustiges Kommentatorendeutsch nur noch wie ein Kerzlein im Quotensturm. Und Markus Rogan! Wer? Eben.

Hermann Maier indes glänzt stabil. Skurrile Bankenspots (zurzeit suggerieren sie die Infizierung der Menschheit mit der Skihocke) halten seine Bekanntheit ironisch fit. Und lädt Maier 150 Fans (gegen Bezahlung) zu einer Erwan­derung seiner Heimat Flachau, sind auch die Seitenblicke dabei, um an der Denkmalpflege mitzuwirken.

Maier nimmt die (in Fragen gepackte) devote Werbeeinladung natürlich an, verkündet seinen Stolz, die Heimat vorstellen zu dürfen. Auch schwärmt einer, den Hermannweg auf sich genommen zu haben, da Maier "eine große Per­sönlichkeit ist". Ins Bild kommt selbstredend die kollektive Bankhocke-Übung – auch der Bezirk Flachau wirkt angesteckt.

Das Angenehme an der Marke Maier: Sie tanzt mit, aber nur in Dosen.

Setzt der Boulevard seinen Bohrer an und droht es ins allzu Intime ab­zugleiten, zieht sich Maier in die Höhle der Unnahbarkeit zurück, ohne abweisend zu wirken. Lacht zehndeutig und wechselt einfach das Thema.

Dauerhafter Ruhm braucht Präsenz wie Geheimnis. Er lebt vom eleganten Spiel zwischen Nähe und Distanz auf dem sicheren Fundament der Selbstachtung. Maier scheint es zu ahnen. Insofern ist er ein Segen für die Seitenblicke, für das Fernsehen an sich, wo die Pulverisierung von Kandidatenwürde längst ganze Formate füllt. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 3.7.2013)

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