Flipkens überraschend im Halbfinale

2. Juli 2013, 15:26
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Dreisatzerfolg für Belgierin gegen Wimbledon-Siegerin von 2011, nun wartet Bartoli - Lisicki trifft im Semifinale auf Vorjahresfinalistin Radwanska

London - Zur größten Überraschung im Damen-Halbfinale von Wimbledon 2013 avancierte Kirsten Flipkens. Die Belgierin setzte sich am Dienstag gegen die Wimbledon-Siegerin von 2011, Petra Kvitova, mit 4:6, 6:3, 6:4 durch und trifft im zweiten Halbfinale auf Marion Bartoli. Die Französin gewann gegen die US-Amerikanerin Sloane Stephens mit 6:4, 7:5.

Kvitova war die letzte Grand-Slam-Siegerin im Bewerb, am Dienstag folge sie aber Serena Williams, Maria Scharapowa, Victoria Asarenka und Li Na. Allerdings hatte die Tschechin sichtlich Gesundheitsprobleme. Sie ließ sich im zweiten Satz untersuchen, musste Fieber messen und schluckte auch eine Tablette.

Außenseiterin Flipkens blieb bis zum Schluss cool und beendete das Match mit einem Ass. "Unglaublich, das ist mehr als ein Traum, der jetzt hier wahr wird", jubelte die "Flipper" gerufene Belgierin, die eine bemerkenswerte Leidensgeschichte hinter sich hat. "Die, die zu mir gehalten haben, kann ich an einer Hand abzählen", erklärte Flipkens.

Nach vielen Verletzungen war sie im Vorjahr in der Weltrangliste nicht einmal gut genug für die Qualifikation gewesen. "Und jetzt Halbfinale, besser geht es nicht", sagte die 27-Jährige, die zum ersten Mal in einem Grad-Slam-Halbfinale steht und damit an die Erfolge einer Kim Clijsters oder Justine Henin (letzte belgische Wimbledon-Halbfinalistin 2007) anschließt. "Ich hatte nichts zu verlieren und habe nun meine Chance genutzt. Ich bin so glücklich, das ist unvorstellbar", jubelte Flipkens.

Lisickis Lauf

Einen Tag nach ihrem Sensations-Erfolg gegen Serena Williams hat Sabine Lisicki auch gegen Kaia Kanepi gewonnen. Die Deutsche fertigte die Estin am Dienstag souverän in nur 65 Minuten mit 6:3,6:3 ab und trifft im Halbfinale auf die polnische Vorjahres-Finalistin Agnieszka Radwanska, die als Nummer vier die höchstgesetzte noch im Turnier befindliche Spielerin ist. Die restlichen Viertelfinalspiele hatten wegen Regens Verspätung.

Während Lisicki ihren Platz im Halbfinale im Schnellverfahren buchte, lieferten einander Radwanska und die als Nummer sechs gesetzte Chinesin Li Na ein fast schon episches Duell. Erst nach zwei Regenunterbrechungen und am Ende unter dem geschlossenen Dach des Centercourts stand die Polin als 7:6 (5), 4:6, 6:2-Siegerin fest. Für Polen ist das Turnier an der Church Road längst historisch, nachdem mit Lukas Kubot und Melzer-Bezwinger Jerzy Janowicz gleich zwei Herren im Viertelfinale stehen.

Der Marathon-Sieg könnte Radwanska aber noch teuer zu stehen bekommen. Ihr rechtes Bein war ohnehin schon dick bandagiert, im Finish vergab sie gegen die zähe Gegnerin serienweise Matchbälle, ehe es doch noch mit dem Sieg klappte. "Sie hat unglaublich gespielt und ich hatte schon zuvor zwei harte Matches. Deshalb bin ich wirklich glücklich, dass ich trotzdem im Halbfinale stehe", atmete Radwanska auf. "Aber das war jetzt fast schon ein bisschen zu viel Tennis in den vergangenen Tagen, ich habe Probleme mit meinen Beinen", gab sie zu.

Vor zwölf Monaten hat Radwanska erst im Endspiel gegen Serena Wiliams verloren. Eine Spielerin, die ihr nun Lisicki bereits aus dem Weg geräumt hat. Nun bastelt die Berlinerin weiter an ihrem Wimbledon-Sommermärchen. Auf den Tag genau 25 Jahre nach dem ersten Triumph von Steffi Graf zog die Weltranglisten-24. zum zweiten Mal in ihrer Karriere in das Halbfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt ein.

"Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren", sagte Lisicki. "Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist", sagte sie vor dem Match gegen Radwanska. "Das wird ein schweres Match. Sie hat auch viel Selbstvertrauen", sagte Lisicki vor dem dritten Duell mit der Polin.

Aber auch Lisickis Selbstbewusstsein ist gewachsen. "Ich hatte schon vor dem Turnier ein super Gefühl. Mit dem Sieg gegen Serena ist das natürlich noch gewachsen", sagte Lisicki.

Vor zwei Jahren noch scheiterte sie in der Vorschlussrunde an der Russin Maria Scharapowa. In diesem Jahr trauen ihr nicht wenige spätestens seit dem Erfolg gegen Williams den ganz großen Coup im All England Lawn Tennis Club zu. Lisicki ist erst die sechste Deutsche, die es in Wimbledon bis dahin geschafft hat neben Cilly Aussem, Hilde Krahwinkel, Bettina Bunge, Steffi Graf und zuletzt Angelique Kerber. (APA, 2.7.2013)

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    Sabine Lisicki fühlt sich auf Londoner Rasen sichtlich wohl.

  • "Flipper" erreichte mit 27 Jahren ihr erstes Grand-Slam-Semifinale.
    foto: epa/penny

    "Flipper" erreichte mit 27 Jahren ihr erstes Grand-Slam-Semifinale.

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