EU stuft Anti-Baby-Pille als potenziellen Wasser-Schadstoff ein

2. Juli 2013, 14:29

ÖVP-Europaabgeordneter Seeber: "Legistisches Neuland" - Auch Schmerzmittel Diclofenac auf Beobachtungsliste

Brüssel - In einer möglicherweise wegweisenden Abstimmung hat das Europaparlament am Dienstag drei Pharmazeutika als potenzielle Gefahr für die Reinheit von Gewässern eingestuft. Mit überwältigender Mehrheit votierten die EU-Abgeordneten in Straßburg für einen Gesetzesentwurf, das erstmals auch Arzneimittel auf eine "Beobachtungsliste" möglicher Wasser-Schadstoffe aufnimmt. Es handelt sich um die in Verhütungsmitteln enthaltenen Arzneistoffe 17-alpha-Ethinylöstradiol und 17-beta-Östradiol sowie das Hustenmittel Diclofenac.

"Wir betreten damit legistisches Neuland", sagte der zuständige Berichterstatter im Europaparlament, der ÖVP-Mandatar Richard Seeber, vor Journalisten. Er wies darauf hin, dass in dicht besiedelten Gebieten bis zu 100 Arzneistoffe in Gewässern nachgewiesen worden seien. Sie kommen mit dem Harn der Patienten bzw. "Pille"-Benutzerinnen ins Abwasser. Allerdings sei das EU-Parlament dem ursprünglichen Plan der Europäischen Kommission, die angeführten drei Arzneimittel als Schadstoffe einzustufen, nicht gefolgt. "Es kann nicht sein, dass über die Gewässerpolitik in die Gesundheitspolitik eingegriffen wird", sagte er mit Blick auf ein sich aus einer solchen Einstufung möglicherweise ergebendes Verbot dieser weitverbreiteten Stoffe.

Vier Jahre Beobachtung

Die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach wies darauf hin, dass das Herausfiltern von Pharmazeutika aus dem Wasser hohe Investitionen in Kläranlagen notwendig machen würde. Daher sollen zunächst weitere Erkenntnisse über die tatsächliche Schädlichkeit der drei Wirkstoffe gesammelt werden. Bisherigen Berichten zufolge kam es durch Rückstände hormoneller Verhütungsmittel zur Veränderung der Flora und Fauna in Gewässern. Kadenbach verwies auf die Beobachtung des durch viele Agglomerationen führenden Rheins.

Die Situation werde nun die nächsten vier Jahre beobachtet, ehe über Einstufung der Arzneimittel als gesundheitsgefährdend entschieden wird. Kadenbach wies darauf hin, dass ein Verbot der drei Arzneimittel nicht praktikabel sei, da sie weitverbreitet seien.

Nach dem am Dienstag beschlossenen Gesetz, dem eine politische Einigung zwischen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten vorausgegangen war, wird die Zahl der sogenannten "prioritären Stoffe" von 33 auf 48 erhöht. Die Emissionen von acht besonders gefährlichen Stoffen muss über einen Zeitraum von 20 Jahren völlig gestoppt werden. BZÖ-Europaabgeordneter Ewald Stadler merkte jedoch in der Plenardebatte kritisch an, dass schon die bestehenden EU-Rechtsakte zum Wasserschutz nicht eingehalten werden. (APA, 2.7.2013)

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Offenbar befinden sich Politiker ständig auf Neuland...

Super, obgleich man die Details noch prüfen müsste, würde ich spontan sagen, eine besten Initativen des EU-Parlaments des letzten halben Jahres...

etwas off topic: jede frau soll verhüten dürfen, wie sie möchte. aber ich finde es nicht richtig, dass von so manchen gynäkologen jungen mädchen die pille angepriesen wird, als wäre es ein harmloses zuckerl. würde besser aufgeklärt werden, dann würden sicherlich weniger mädchen zur pille greifen und zugleich nicht mehr ungewollte schwangerschaften entstehen, als jetzt. die pharmaindustrie scheint natürlich eindeutige interessen zu haben...

ja der leichtfertige umgang mit der pille sagt einiges darüber aus welchen stellenwert mädchen/frauen haben.
-zum vergleich transexuelle menschen müssen sich jahrelang psychologisch untersuchen lassen und über die risiken und nebenwirkungen aufklären lassen bevor sie nach ihrer erwachsenen (!) entscheidung handeln dürfen. im gegensatz gibt es so gut wie gar keine forschung zur psychologischen und sonnstigen langzeitwirkung der pille -dabei täuscht das ding dem weiblichen körper eine schwangerschaft vor! ...?! und sie wird in der regel nach 10 minuten verschrieben. beides ethisch bedenklich.

ÖVP-Politiker:

"Die Pille ist für uns alle Neuland."

Wie wäre es damit.....

der Pharmamafia generell den Hahn abzudrehen
und die Medikamentengülle (in der Tierindustrie werden mehr Antibiotika umgesetzt als in der Humanmedizin).
Die überschiessende Medikamentenschweme wird den nächsten Generationen vermutlich auf den Kopf fallen. Einfach auch mal selbst hinterfragen, inwieweit der eigene Pharma-Konsum und der "Gratis" Arztbesuch -wirklich- notwenig sind. Präventive Medizin ist zukünftsfähig. (auch Familienplanung kann ohne Fremdhormone ablaufen!)

wenn ich aber keine familie plane?

Abstinenz!

Kondome

Rechnen? so richtig mit Zahlen und so.

Katholiken-Roulette.

hoffentlich werden da bald alle hormone beachtet,

besonders die in der landwirtschaftsindustrie, sprich tier-aufpáppelung-fabriken.

Sehr gut. Das läuft auf die 3. Klärstufe in den ARAs hinaus.

Und bitte liebe EU, bitte nicht auf Antibiotika (Tierfabriken) vergessen.

eine alte Bauernregel

was liegt im Feld uns stinkt?

würd mich jetzt interessieren. google findet nichts.

Diclofenac ist ein Hustenmittel? Wieder was "gelernt"!

Kenn das nur als Wirkstoff von Voltaren und Schmerztabletten!

vor ca. 52 jahren hat ein mann die anti-baby-pille erfunden,

und somit die verantwortung schwanger oder nicht schwanger alleinig auf die frau übertragen. und die frau schluckt brav das fiese zeug und glaubt "na endlich bin emanzipiert".

dieser mann hat die "pille" zwar nicht erfunden (selbsteinschätzung), er ist für mich aber trotzdem einer der "heros" des 20. jahrhunderts. diese "verantwortung" hat man den frauen auch nicht absichtlich untergeschoben.

und glaubt "na endlich bin emanzipiert".
Ich find's ehrlich gesagt super, selber entscheiden zu können, ob ich mir Kinder anhängen lassen will oder nicht.

Gibt auch für die Frau

noch andere Möglichkeiten, muss ja nicht die Pille sein.

Du sagst es: die MÖGLICHKEIT. Das heißt, die freie Entscheidung. Wenn sich aber eine Frau für die Pille entscheidet, so ist diese Entscheidung zu respektieren.

Hat über die Jahrhunderte auch ursuper funktioniert.

...und dieser mann zählt mittlerweile selbst zu den kritikern.

Ich verstehe

sowieso nicht, wie frau freiwillig die Pille schlucken kann. Kondome sind doch viel gescheiter und stören nicht den Hormonhaushalt.

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