Planspiele für ein grünes Stadion für Grün-Weiß

4. Juli 2013, 14:07
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Studenten haben ein "Plus-Energie-Stadion" für den SK Rapid entworfen. In Hütteldorf ist man darüber gar nicht so glücklich

Ein neues Stadion für den Wiener Traditions-Fußballverein SK Rapid, und noch dazu das modernste der Welt: Ein Konzept, das Studenten mehrerer Wiener Unis ausgearbeitet haben, lässt derzeit die Herzen sowohl von Rapid- als auch von Passivhaus-Fans höher schlagen.

Passivhaus-Hülle und Photovoltaik

Die Idee für das Studentenprojekt stammt von Günther Jedliczka, Geschäftsführer der OeAD Wohnraumverwaltung, ebenso wie Stieldorf Vorstandsmitglied der IG Passivhaus - und Rapid-Fan. Als solchem schwebt ihm Großes vor an der Wiener Westausfahrt: ein Stadion mit 30.000 Sitzplätzen, rundherum mit Photovoltaik-Paneelen verkleidet (an der Nordseite mit PV-"Dummys") und mit einer Passivhaus-Hülle für die wichtigsten, das ganze Jahr über genutzten Bereiche wie Büros und Fanshop. Ein solches Stadion könnte unter Ausnützung sämtlicher Einsparpotenziale übers Jahr gerechnet mehr Energie erzeugen, als es verbraucht, ist Jedliczka überzeugt.

Er sieht im Gespräch mit derStandard.at auch hervorragende Chancen für den Verein: "Der Werbewert eines solchen Vorzeigestadions wäre für einen potenziellen Namenssponsor viel größer als jetzt", und auch für das ökologische Bauen hätte ein solches Leuchtturm-Projekt nicht nur Vorbildwirkung, sondern würde regelrecht einen "Bildungsauftrag" erfüllen: "Viele Rapid-Fans würden hier erstmals mit Photovoltaik in Berührung kommen."

"Nicht das Konzept des SK Rapid"

Ein geradezu "revolutionäres" Konzept also, das hier an den SK Rapid herangetragen wurde. Allerdings ist man dort über dessen mediale Verbreitung nicht sonderlich glücklich. Pressesprecher Peter Klinglmüller betont im Gespräch mit derStandard.at, dass es sich zwar um ein "wertvolles Studentenprojekt" handle, "das Rapid auch gerne unterstützt hat", dass es aber definitiv "nicht das des SK Rapid" sei. In den ohnehin seit Monaten laufenden Studien und Untersuchungen bezüglich eines Stadion-Neubaus spiele das Papier keine Rolle.

Der Verein setzt hier eher auf das Know-how der deutschen Firma IFS (Institut für Sportstätten Beratungs GmbH), um einen Neubau im ungefähren Kostenrahmen von 40 bis 50 Millionen Euro auf die Beine stellen zu können. Ein vom Wiener Ingenieurbüro FCP ausgearbeitetes Generalsanierungskonzept war nämlich auf Kosten von etwas mehr 20 Millionen Euro gekommen, "nur um auf den baulichen und technischen Standard des Jahres 2013 zu kommen", wie Klinglmüller sagt. 17,7 Millionen Euro hat die Stadt Wien im November 2011 für "Generalsanierung, Umbau und Erweiterung" der 1977 bezogenen Heimstätte des SK Rapid bereitgestellt (der hier nur Pächter ist, Eigentümer ist die Stadt), den Rest müsste der Verein selbst aufbringen.

Ein Neubau am selben Standort wäre vermutlich die bessere Variante; ob er tatsächlich in Angriff genommen wird, soll sich laut Klinglmüller in den nächsten Wochen entscheiden. Die dafür notwendigen Millionen könnten zu einem Gutteil aus dem Verkauf des Stadionnamens an einen potenten Sponsor kommen, Gespräche dafür laufen.

Genussscheine und Solarkraftwerk

Freilich haben auch die Studenten in ihrem Konzept schon Überlegungen über die Finanzierung der Baumaßnahmen angestellt, und dort zapft man gedanklich auch noch andere Quellen an - nämlich die (natürlich neben den Spielern) hauptsächlichen späteren "Nutzer" des Gebäudes, die Rapid-Fans. Jedliczka erzählt euphorisch von einem "Genussschein-Modell", das Fans und Vereinsmitglieder dazu bewegen könnte, mit entsprechender Verzinsung in den Neubau zu investieren. Für die Photovoltaik-Rundumverkleidung würde sich nach Ansicht Jedliczkas wiederum eine Zusammenarbeit mit Rapid-Sponsor Wien Energie regelrecht aufdrängen - in Form eines jener "Bürger-Solarkraftwerke", die die Stadt Wien gerade ziemlich forciert.

Das Studentenkonzept sieht weitere Einnahmen in Form von mietbaren Veranstaltungsräumen vor: Exklusive Feiern für Sponsoren und andere Firmen, aber auch private Rapid-Fans könnten für eine bessere Auslastung der Räumlichkeiten sorgen - nach Vorbild der "Coface Arena" des deutschen Klubs FSV Mainz 05. Dessen 2011 eingeweihtes Stadion mit 26.600 Sitzplätzen dient wegen des vergleichbaren Fassungsvermögens den offiziellen Rapid-Konzepten als "Benchmark"; die dortigen Erfahrungen flossen freilich auch ins Konzept der Studenten ein und waren Basis für die Berechnungen des "Plus-Energie-Stadions" für Rapid. (Martin Putschögl, derStandard.at, 3.7.2013)

  • Erste Visualisierung des möglichen Plus-Energie-Stadions für Rapid Wien. Das Konzept dafür stammt von Studenten der TU Wien, WU, Boku und Uni Wien.
    visualisierung: konzept energieplus stadion

    Erste Visualisierung des möglichen Plus-Energie-Stadions für Rapid Wien. Das Konzept dafür stammt von Studenten der TU Wien, WU, Boku und Uni Wien.

  • Das Konzept zum Download.

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