Neues Modell kann Appetit von Insekten vorhersagen

7. Juli 2013, 15:28
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Schweizer Forscher entwickeln Methode, mit der sich prognostizieren lässt, ob eine Insektenart eine neu eingeführte Pflanze als Nahrung nutzen wird oder nicht

Bern - Ob einer Raupenart eine neu eingeführte Pflanzenart schmecken wird oder ob sie sie verschmäht, kann künftig prognostiziert werden - und zwar noch bevor sich die Pflanze etabliert. Die Methode dazu haben Forscher der Schweizer Wasserforschungsanstalt Eawag entwickelt.

Wenn der Mensch Pflanzen einführt - absichtlich oder aus Versehen -, gelangen sie oft rasch auf den Speisezettel einheimischer Insekten. Bei Nutzpflanzen ist das unerwünscht, bei schädlichen Neuankömmlingen kann es nützlich sein - oder aber die hiesigen Pflanzenfresser-Gemeinschaft durcheinanderbringen, so die Eawag.

Am besten könnte man auf solche Situationen reagieren, wenn man die neuen Fressbeziehungen schon vor dem Einführen kennen würde. Dafür haben Florian Altermatt von der Eawag und Ian Pearse von der Cornell University ein Vorhersagemodell entwickelt. In dieses floss die Nutzung von fast 2.000 in Europa heimischen Pflanzen durch 900 Schmetterlings- und Falterarten ein.

Modell erfolgreich getestet

Das Modell haben die Forscher dann an 460 nicht-einheimischen Pflanzenarten getestet. Tatsächlich konnten sie mit der Methode korrekt bereits bekannte Fressbeziehungen vorhersagen, die sich in den vergangenen 100 Jahren etabliert haben, berichten die Forscher nun im Fachblatt "Ecology Letters". Dazu gehört etwa der Fall eines Spanners, der neben einheimischen Kreuzkraut- und Beifußarten auch die invasiven Goldruten als Raupennahrung zu nutzen beginnt - ein wünschenswerter Nebeneffekt.

Die Resultate können für die Überwachung potenziell invasiver Pflanzenarten nützlich sein oder um rechtzeitig Strategien zur Schädlingsbekämpfung zu entwickeln, erklärten die Forscher. Weiter könnte dank solcher Prognosen auch das Risiko, das neu eingeführte Pflanzen für die einheimischen Nahrungsnetze darstellen, abgeschätzt werden. (APA/red, derStandard.at, 07.07.2013)

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