Drei Auffanglösungen für Alpine genehmigt

2. Juli 2013, 12:47
posten

Oberösterreich startet mit Insolvenzstiftung im September

Wals - Die Aufteilung der offenen Baustellen der insolventen Alpine Bau GmbH läuft unter Hochdruck. Masseverwalter Stephan Riel ist der Lösung des Problems in den Bundesländern einen entscheidenden Schritt näher gekommen: "Die ersten drei von insgesamt fünf Paketen sind mittlerweile vom Insolvenzgericht genehmigt", sagte Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband 1870 am Dienstag. Zwei weitere will Riel dem Gericht am Mittwoch vorlegen.

Das Land Oberösterreich und das Arbeitsmarktservice (AMS) werden unterdessen mit einer Insolvenzstiftung für Alpine-Mitarbeiter im September starten. Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (ÖVP) und AMS-Geschäftsführerin Birgit Gerstorfer rechnen mit rund 100 Interessenten vor allem aus dem Bereich der Angestellten. Wenn nötig, könnte es derartige Stiftungen auch für Mitarbeiter des insolventen Anlagenbauers Doubrava in Attnang-Puchheim und der angeschlagenen Drogeriemarktkette dayli geben.

AMS und Land gehen davon aus, dass die weitaus meisten Alpine-Mitarbeiter in regionalen Auffanglösungen unterkommen werden. Für jene, die letztlich doch ihren Job verlieren, soll eine Insolvenzstiftung an mehreren Standorten eingerichtet werden, die auch für Personen aus zahlungsunfähigen Zulieferfirmen offenstehen soll.

Kommende Woche werden Alpine-Mitarbeiter informiert und bis Anfang August der Bedarf erhoben. Ab Anfang September könnten die ersten Teilnehmer eintreten, bis zu vier Jahre lang bleiben und eine höhere Qualifikation erwerben. Dafür wird der Anspruch auf Arbeitslosengeld verlängert, es gibt ein Stipendium von 60 Euro pro Monat und die Ausbildungskosten werden zur Gänze von AMS und Land getragen.

Ausreichend Geld

Sowohl bei Doubrava als auch bei dayli sei noch unklar, ob jeweils eine Arbeitsstiftung erforderlich ist. Aber im mit 196 Mio. Euro dotierten "Pakt für Arbeit und Qualifizierung" sei ausreichend Geld vorhanden, um alle Oberösterreicher zu unterstützen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Alleine für Arbeitsstiftungen seien 400 Plätze budgetiert. Für diese sind insgesamt 2,4 Mio. Euro vorgesehen, die je zur Hälfte von AMS und Land bereitgestellt werden. Das sind jeweils 6.000 Euro pro Person und Jahr. Bei Bedarf könne aufgestockt werden, garantierte Strugl.

Bezüglich der Übernahme von Alpine-Teilen durch andere Unternehmen hat das Land Rechtsgutachten eingeholt. Demnach können die Firmen laufende Baustellen ohne Neuausschreibung übernehmen, wenn sie in die bestehenden Verträge mit allen Rechten und Pflichten inklusive Leistungsverzeichnis eintreten.

Strugl stellt sich darauf ein, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden 18 Monaten nicht zurückgeht. Die Situation im Euroraum schlage zunehmend auf Oberösterreich durch. Er verwies darauf, dass neben der Alpine- und der Doubrava-Pleite auch andere Unternehmen insolvent wurden oder wegen fehlender Aufträge Mitarbeiter freisetzen. Er nannte in diesem Zusammenhang die Schließung von Celestica in Frankenburg und der Greiner-Solarsparte sowie den Stellenabbau bei Siemens.

Durchgewunken

Vom Gläubigerausschuss und bei Gericht durchgewunken sind nunmehr die Übernahmeangebote der oberösterreichischen Habau, der Salzburger Baufirma G. Hinteregger & Söhne betreffend Steiermark und des Linzer Baukonzerns Swietelsky. Die vom Insolvenzverwalter ausgewählten Baufirmen können nun mit den ehemaligen Auftraggebern der Alpine in Kontakt treten, um von den Bauherrn die Alpine-Aufträge auf den Baustellen zu übernehmen.

Weitere Entscheidungen folgen

Über die noch nicht endgültig abgesegneten Angebote von Hinteregger zum Tiefbau in Salzburg sowie der Hans Bodner Baugesellschaft für Baustellen in Tirol und den Industriebau in Salzburg dürfte auch demnächst die Entscheidung vorliegen. Der Gläubigerausschuss willigte zumindest Sonntagabend bereits ein.

Nach aktuellem Stand haben mit den drei derzeit zumindest gerichtlich bereits genehmigten Paketen rund 1.800 Arbeitnehmer Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung, mit den zwei fehlenden Paketen könnten ersten Schätzungen zufolge zwischen 400 und 600 weitere dazukommen. Das macht in Summe bis zu 2.400 Stellen, deckt also rund die Hälfte der 4.905 ab, die seit der Zahlungsunfähigkeit der Alpine Bau GmbH wackeln.

Wie viele der von der Milliardenpleite betroffenen Mitarbeiter in Österreich ihren Job behalten können werden, hängt nun davon ab, welche der ausgewählten Firmen nun bestimmte Bauaufträge auch tatsächlich bekommen. Dazu müssen sie sich mit den bisherigen Alpine-Auftraggebern einigen.

Die Habau mit Sitz in Perg dürfte von der Alpine laut Gläubigern und Handelsgericht den Straßenbau Ost, den Straßenbau Oberösterreich und den Hochbau Oberösterreich mit geschätzten 820 Mitarbeitern übernehmen. G. Hinteregger & Söhne hätte bereits grünes Licht für Baustellen in der Steiermark mit rund 480 Mitarbeitern und Swietelsky für Baustellen in Kärnten sowie in Teilen Oberösterreichs und Salzburgs bzw. den Bereich Hochbau Ost mit rund 500 Arbeitnehmern.

Die Alpine Bau GmbH betreibt österreichweit rund 1.400 Baustellen - etwa 400, also fast ein Drittel davon, sind Arbeitsgemeinschaften (ARGE). Dort springen die ARGE-Partner ein. (APA, 2.7.2013)

Share if you care.