Ukraine: Ein Dorf gegen die Vogelfabrik

2. Juli 2013, 11:11
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Die Legehennenproduktion eines ukrainischen Superreichen nahe Kiew macht den Einheimischen wenig Freude

Die Hühnerfarm des ukrainischen Superreichen Oleg Bakhmatyuk in Makariw bei Kiew wirbelt seit geraumer Zeit Staub auf. Vor einigen Jahren schmiedete der Millionär mit Ukrlandfarming einen Agrarriesen mit beachtlichem Ausmaß.

2009, im Jahr der Gründung des Konzerns wurden vom staatlichen Rundfunk Radio Ukraine folgende Zahlen in Sachen Betriebsinventar kolportiert: Fast 500.000 Hektar Anbauflächen, 75.000 Kühe und Rinder, 24 Millionen Stück Federvieh, 18 Schlachthöfe beziehungsweise Industrieanlagen zur Fleischverarbeitung, zwei Anlagen zur Lederverarbeitung, sechs Anlagen zur Saatgutproduktion, sechs Zuckerrübenraffinerien, drei Getreidelagerstätten mit Gesamtkapazität von 645.000 Tonnen.

Legehennen-Anlagen von den Nachbarn

Die ukrainische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" führt Bakhmatyuk in der Liste der reichsten Ukrainer auf Platz 15 - mit einem Vermögen von 460 Millionen Euro. Die Firma von Bakhmatyuk sorgte im vergangenen Jahr laut Deutschlandradio auch in Deutschland für Schlagzeilen: Sie kaufte bei den Nachbarn gebrauchte Legehennen-Anlagen, die in der Europäischen Union mittlerweile verboten sind, um sie anschließend in der Ukraine einzusetzen. Die deutsche Bundesregierung soll sogar eine Bürgschaft für das Geschäft übernommen haben, unterstützte also den Export der umstrittenen Käfighaltung.

In Makariw bei Kiew hat manch einer allerdings mit der dort ansässigen "Vogelfabrik" keine Freude. Laut Deutschlandradio protestieren Einwohner immer wieder - bisher erfolglos - für ihre Schließung. Vor allem der Duft der Massenansammlung an Federvieh stößt manchen Einheimischen sauer auf. Auch von vielfacher Überschreitung der Norm für Schwefelwasserstoff ist in dem Dorf die Rede.

Die staatliche Sanitärbehörde wollte den Betrieb laut Deutschlandradio zwar schon zusperren lassen. Aber diese Entscheidung nahm das Verwaltungsgericht in Kiew wieder zurück. Gemunkelt wird nun im Dorf von Richter-Bestechung. (red, derStandard.at, 2.7.2013)

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    Legehennen-Anlagen lassen sich sogar noch verkaufen - dorthin, wo man in Sachen Tierhaltung nicht ganz so zimperlich ist.

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