Aktuelle Rote Liste: Fast 21.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht

7. Juli 2013, 12:14
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Knapp 800 Arten verschwunden - Zu den bedrohten Spezies zählen auch die ältesten und größten Bäume der Welt

Zürich - Eine aktuelle Bestandsaufnahme dokumentiert den immer schnelleren Artenschwund. Einige Nadelhölzer, darunter die ältesten und größten Bäume der Welt, sowie Kegelschnecken, Süßwassergarnelen oder auch seltene Säuger wie der Jangtse-Schweinswal und das Schwein namens Weißbartpekari sind in ihrem Bestand gefährlich geschrumpft, wie die aktualisierte Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) zeigt. Die Zahl der gelisteten Arten stieg um 4.807 auf 70.294. Mit 20.934 ist davon fast ein Drittel vom Aussterben bedroht.

"Das Gesamtbild ist alarmierend", erklärte die IUCN-Direktorin der Abteilung Artenvielfalt, Jane Smart. "Wir müssen dieses Wissen voll ausschöpfen, um die Naturschutzbemühungen möglichst gezielt und effizient anzusetzen", sagte sie mit Blick auf die Rote Liste. Angesichts dezimierter Bestände sprach Smart von einer "Aussterbenskrise", die das gesamte Erdenleben betreffe.

800 Arten ausgestorben

Knapp 800 Arten listet die IUCN als ausgestorben, etwa den Wüstenkärpfling Cyprinodon arcuatus, eine als Kapverdischer Riesenskink bekannte Echse (Chioninia coctei) und eine Art von Süßwasser-Garnelen.

Bei anderen Tier- und Pflanzenarten ist der Bestand in den vergangenen Jahren dermaßen zurückgegangen, dass sie nunmehr als gefährdet oder als vom Aussterben bedroht gelten. So ist nach IUCN-Angaben die Population des Weißbartpekaris (Tayassu pecari) in Costa Rica und Mexiko um über 80 Prozent zurückgegangen.

Auch die Jangtse-Schweinswale, von denen im Jahr 2006 noch 1.800 übrig waren, könnten bald aussterben. Die Wale leben im gleichnamigen chinesischen Fluss und zwei angrenzenden Seen. Der Bestand des Säugers - einer der wenigen verbliebenen Süßwasserwale - sinke stark. Die Ursachen sind illegales Fischen, intensiver Schiffsverkehr, Sandminen und Verschmutzung.

Erstmals wurden in der Roten Liste auch die Bestände von Süßwassergarnelen weltweit erfasst. Von ihnen gelten 28 Prozent als vom Aussterben bedroht. Zehn Prozent werden als Lebensmittel verkauft, darunter vor allem Rosenberggarnelen (Macrobrachium rosenbergii), die eine wichtige Rolle in der Süßwasser-Nahrungskette spielen.

Älteste Organismen der Erde sind gefährdet

Neben Tieren gelten auch einige Nadelhölzer, die ältesten und höchsten Organismen der Erde, nach IUCN-Angaben als gefährdet: Jede dritte Art ist vom Aussterben bedroht. Gefährdet ist sogar mittlerweile die global häufige kalifornische Monterey-Kiefer (Pinus radiata). Für das Klima haben sie eine immense Bedeutung. Die Nadelwälder lagern laut IUCN dreimal mehr Kohlenstoff ein als die Regenwälder. Manche Nadelbäume können bis zu 5.000 Jahre alt und weit über 100 Meter groß werden.

Hauptbedrohungen stellen für Zedern, Zypressen und Co. wilde Ziegen sowie die Schädigung durch Krankheitserreger dar. Die weltweite Abholzung führe jedoch dazu, dass manche Nadelholzsorten verschwänden, bevor die IUCN überhaupt dazu komme, sie aufzulisten, befürchtet IUCN-Koniferenexperte Aljos Farjon.

Die IUCN ist das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Darunter ist auch die Umweltstiftung WWF. (APA/red, derStandard.at, 07.07.2013)

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    Auch die kalifornischen Mammutbäume - sie zählen zu den höchsten und ältesten Lebewesen der Erde - gelten nach IUCN-Angaben als gefährdet.

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