Kärntner Hypo-Chef Kranebitter tritt zurück

2. Juli 2013, 14:22
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Mitarbeiter und die Eigentümer wurden Dienstagfrüh informiert, Kranebitters Vertrag wäre noch bis 2016 gelaufen

Wien/Klagenfurt - Vor einem Monat hat Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz das Handtuch geworfen, weil er den Kurs des radikalen Abbaus der Staatsbank nicht mittragen wollte. Nun geht auch Vorstandschef Gottwald Kranebitter.

Kranebitter hatte erst im März einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieben. Dass ihm ein Abgang nahegelegt wurde, dementierten die Eigentümer am Dienstag. Die Rücktrittsabsichten sollen dem Staat allerdings seit Wochen bekannt gewesen sein.

In einem offenen Brief an die Mitarbeiter erklärte Kranebitter Dienstagfrüh, warum er seinen Job nicht mehr weiterführen wollte. Seit dem März würden Schließungsszenarien für die Ende 2009 notverstaatlichte Bank debattiert. Das und undifferenzierte Kostenspekulationen hätten massiven Schaden verursacht und in wenigen Wochen große Teile der Sanierungsarbeit der vergangenen drei Jahre beschädigt, schreibt Kranebitter in dem Brief.

Bis August im Amt

Damit wurde laut Kranebitter auch die wirtschaftliche Situation gesunder Bankteile in Mitleidenschaft gezogen. Diese Entwicklungen machten es ihm unmöglich, weiterhin als Vorstandsvorsitzender seinen Ansprüchen zu folgen und seine Aufgabe weiterzuführen. Auf Wunsch des Aufsichtsratspräsidiums bleibe er bis zur Aufstellung der Halbjahresbilanz am 15. August. "Ich gehe, aber ich laufe nicht davon."

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) gab in einer ersten Stellungnahme an, über den Rücktritt nicht vorinformiert gewesen zu sein: "Zu mir als Eigentümerin ist das noch nicht gedrungen", sagte Fekter, vom Rücktritt Kranebitters wisse sie nur aus Gerüchten. Auf einen Nachfolger wollte sie sich nicht festlegen: Mit der Suche nach einem neuen Vorstand werde sich der Aufsichtsrat beschäftigen, mit dem werde sie das Thema besprechen.

Hypo braucht weitere Kapitalspritze

Erst am Montag hatte die Hypo mitgeteilt, möglicherweise bereits im Sommer eine weitere Kapitalspritze zu brauchen. Fekter geht davon aus, dass die derzeitig budgetierten 700 Millionen Euro zumindest für die Halbjahresbilanz ausreichen werden. In weiterer Folge rechne sie aber mit zusätzlichem Kapitalbedarf, die Höhe werden unter anderem von den noch ausstehenden EU-Vorgaben abhängen.

Hypo-Aufsichtsratschef Klaus Liebscher hat den Start eines Restrukturierungsprogramms der Hypo vor der Nationalratswahl Ende September als am Boden der Realität nicht mehr möglich bezeichnet. "Ich gehe aber davon aus, dass die entsprechenden Konzepte präsentierbar wären." Den scheidenden Noch-Hypo-Chef Kranebitter, dessen Abgang Liebscher bedauerte, lobte er für seinen sehr guten Job in den vergangenen dreieinhalb Jahren in denen er beachtliche Risikopositionen abgebaut hat.

Schieder: Rücktritt "nicht hilfreich"

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) nannte den Rücktritt Kranebitters Dienstagfrüh "nicht hilfreich". Besonders tragisch sei er aber auch nicht, da die Bank nicht von einer einzigen Person geführt werde. In Gesprächen mit dem Aufsichtsrat werde am Dienstag das weitere Prozedere festgelegt, also Fragen einer Ausschreibung, Interimslösung oder Nachbesetzung.

Bei der Hypo gehe es jetzt darum, den ohnehin schon angeschlagenen Tanker in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Schieder favorisiert weiter eine Bad Bank für die Hypo. Einen Bescheid aus Brüssel zum neuen Restrukturierungsplan erwartet er im Spätsommer. Geht es schnell, könnte noch bei der letzten Kommissionssitzung vor der Sommerpause über die Hypo beschieden werden. (APA/Reuters, 2.7.2013)

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    Gottwald Kranebitter geht vorzeitig.

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