Namibische San sollen Spuren europäischer Eiszeit-Jäger lesen

1. Juli 2013, 21:39
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Spurenleser aus der Kalahari helfen Forschern bei Analyse von prähistorischen Abrücken in Höhlen der Pyrenäen

Köln - Angehörige des San-Volkes aus dem südlichen Afrika gelten als weltbeste Fährtensucher und Spurenleser. Wegen dieser herausragenden Fähigkeit, aus Fuß- und Handabdrücken Informationen über die Menschen zu gewinnen, die diese Spuren hinterlassen haben, wurde nun drei San aus Namibia dazu eingeladen, sich an einem speziellen Projekt zu beteiligen: Die Experten sollen die Fußspuren von Eiszeit-Jägern in den Höhlen der Pyrenäen analysieren.

Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts ist es, Details aus dem Alltag der Urmenschen vor rund 17.000 Jahren zu erfahren. Drei San-Jäger aus der Kalahari brechen mit zwei deutschen Wissenschaftern am Dienstag nach Frankreich auf.

Die Forscher erhoffen sich von den Erkenntnissen der San Informationen etwa zum Gesundheitszustand, zur Körperhaltung und Gangart der Eiszeitmenschen. Dies berichteten die leitenden Wissenschafter Tilman Lenssen-Erz von der Forschungsstelle Afrika der Universität Köln und Andreas Pastoors vom Neanderthal Museum in Mettmann am Montag. Die beiden langjährigen Experten für Felsbildmalerei und Höhlenkunst haben die San in Namibia und Deutschland auf die Aufgabe vorbereitet. Erste Ergebnisse der Expedition sollen am 17. Juli in Köln präsentiert werden.

50 bis 60 Spuren unter der Lupe

"Die Bilder erzählen uns nicht alles, was die Menschen gemacht haben", sagte Pastoors über die Höhlenmalereien. Doch die Untersuchung der Hand- und Fußspuren sei in der Erforschung der eiszeitlichen Kunst immer nur ein Randthema gewesen. In den 20er Jahren habe man angefangen, Alter, Größe und Abstammung der Menschen durch die Vermessung der Spuren zu entschlüsseln. Immer aber seien die Spuren mit rituellen Handlungen in Verbindung gebracht worden. Diese Spekulationen wollen die Forscher prüfen. "Wir gehen da sachlich dran", sagte Lenssen-Erz.

Rund 350 Höhlen mit Wandmalereien seien in den Pyrenäen bekannt, sagte Pastoors. In zehn Höhlen wurden Fußabdrücke der Steinzeitmenschen gefunden. Stichprobenartig sollen die San in Niaux und fünf weiteren, auch weniger zugänglichen Höhlen 50 bis 60 Spuren untersuchen. (APA/red, derStandard.at, 01.07.2013)

  • Die Gäste aus Namibia sollen prähistorische Fußspuren in der Höhle Niaux (im Bild) und in fünf weiteren Höhlen in den Pyrenäen untersuchen und daraus ihre Schlüsse ziehen.
    foto: tracking in caves

    Die Gäste aus Namibia sollen prähistorische Fußspuren in der Höhle Niaux (im Bild) und in fünf weiteren Höhlen in den Pyrenäen untersuchen und daraus ihre Schlüsse ziehen.

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