Schon vor 12.000 Jahren wurden Gräber mit Blumen geschmückt

1. Juli 2013, 20:59
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Nutzung von Blumen bei sozialen Anlässen könnte Gruppenidentität gestärkt haben

Blumenschmuck gehört in vielen Kulturen zu den Beerdigungsritualen. Forscher um Dani Nadel von der Universität Haifa haben nun herausgefunden, dass schon vor 12.000 Jahren mit Blumen der Toten gedacht wurde - um Jahrtausende früher als bisher angenommen. Die Forscher untersuchten Gräber der sogenannten Natufien-Kultur, die vor 15.000 Jahren im östlichen Mittelmeerraum ihren Ausgang nahm. In einem Friedhof im Carmel-Gebirge, der auf die Kultur zurückgeht, wurden insgesamt 29 Skelette gefunden. Vier Gräber untersuchten die Forscher genauer und datierten sie auf ein Alter von 13.700 bis 11.700 Jahre.

Die Wissenschafter entdeckten zahlreiche Abdrücke von Blumen, mit denen die Einfassungen der Gräber einst ausgelegt worden waren. Darunter befanden sich unter anderen Salbei, Minzen und Braunwurzgewächse. Einige der Pflanzen weisen auf ein Begräbnis im Frühjahr hin, bei denen besonders farbenprächtige und aromatische Blumen genutzt wurden. Die Forscher fanden diese Pflanzen-Abdrücke nur in den Gräbern, nirgendwo sonst in der Höhle.

In Bodenproben von dem Friedhof wiesen die Wissenschafter zudem zahlreiche Phytolithen nach. Das sind Strukturen aus Siliziumdioxid, die einige Pflanzen während ihres Lebens im Inneren ihrer Zellen ablagern. Die Phytolithe bleiben im Boden zurück, nachdem die Pflanze abgestorben und verrottet ist, und weisen so noch Jahrtausende später auf das ehemalige Vorhandensein einer Pflanze hin.

Zeremonien zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls

Schließlich entdeckten die Forscher noch, dass der Felsboden einiger Gräber gemeißelt worden war. So sollten die Toten vermutlich in eine geeignete Lage gebracht werden, möglicherweise hatte es aber auch eine symbolische Bedeutung.

Die Nutzung von Blumen bei sozialen Anlässen wie einer Beerdigung könnte ein Mittel gewesen sein, um die Gruppenidentität und die Solidarität untereinander zu stärken und soziale Spannungen zu reduzieren, schreiben die Forscher. (APA/pum, DER STANDARD, 2.7.2013)

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    Das Schmücken von Gräbern mit Blumen hat offenbar eine längere Tradition als bisher angenommen.

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