Knochenstück des letzten Kaisers verschenkt

1. Juli 2013, 20:05
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Reliquie von Karl I. wird nunmehr in der Kathedrale Saint-Front in Perigeux aufbewahrt

Paris/Wien - Ein kleines Knochenstück des letzten Kaisers der Donaumonarchie, Karl I. (1887-1922), wird nunmehr in der Kathedrale Saint-Front im südwestfranzösischen Perigeux als Reliquie aufbewahrt. Wie die Tageszeitung "Sud Ouest" am Montag berichtete, fand die Übergabe am Sonntag im Rahmen einer feierlichen Messe mit Bischof Michel Mouisse statt, bei der auch der Enkel des Kaisers, Erzherzog Karl Peter von Habsburg, anwesend war.

"Ich habe meinen Großvater nicht kennengelernt, aber meine Großmutter, Kaiserin Zita, hat mir viel von ihm erzählt", betonte Karl Peter von Habsburg, der in Luxemburg lebt und als Anwalt tätig ist, und fügte hinzu: "Als sie geheiratet haben, hat er ihr gesagt, der Moment sei gekommen, sich auf dem Weg der Heiligkeit zu bewegen." Zur Thronfolge in Österreich befragt, erklärte Karl Peter, dass er von solchen Fragen "sehr weit entfernt" sei, zumal sein Vater Rudolf der jüngste Sohn von Karl I. war.

Bei der Reliquie, einem kleinen Knochenstück Karls I., handelt es sich um eine Schenkung der gebürtigen Ungarin Ildiko Maria Peers de Nieuwburgh, die im südwestfranzösischen Lalinde wohnt. "Ich habe meinen Vater sehr jung verloren. Ich bin in Belgien aufgewachsen, und Erzherzog Rudolf von Habsburg, der Vater von Erzherzog Karl Peter, hat sich um mich gekümmert", erzählte die Frau gegenüber "Sud Ouest" und fügte hinzu, dass ihr Rudolf von Habsburg die Reliquie geschenkt habe.

Umstrittene Seligsprechung

Karl I. hatte im Jahr 1916 die Nachfolge von Kaiser Franz Josef angetreten. Er wurde am 12. November 1918 entthront und musste ins Exil flüchten. Er starb im Alter von 34 Jahren auf Madeira. 2004 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. In Österreich hatte die Seligsprechung des Habsburgers heftige Debatten ausgelöst. Der Kaiser wurde unter anderem mit dem Einsatz von Giftsgas an der italienischen Front 1917 in Verbindung gebracht. Historiker hielten den Monarchen als Oberbefehlshaber der k.u.k.-Armee für mitverantwortlich. Andere Historiker und Befürworter der Seligsprechung beriefen sich unter anderem auf den Vatikan, der die Vorwürfe im Zuge des 55-jährigen Seligsprechungsverfahrens entkräftet habe.

Für Diskussionen sorgte auch das Wunder, das nach Bitte um Fürsprache bei dem verstorbenen Monarchen 1960 erfolgt sein soll. Laut dem Vatikan wurde die in Brasilien tätige polnische Nonne Maria Zita Gradowska auf wissenschaftlich nicht erklärbare Weise von einem langwierigen Beinleiden geheilt. Dies wurde in den Medien als "Krampfadern-Wunder" bezeichnet. Für Nicht-Märtyrer wie Karl ist ein Wunder neben einem heiligmäßigen Leben Voraussetzung für eine Seligsprechung. (APA/red, derStandard.at, 01.07.2013)

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