Die Wandlaus, ein in jeder Hinsicht lästiges Ding

Kopf des Tages1. Juli 2013, 17:57
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Sie versteckt sich in Wänden, Möbeln, Telefonen: Die Wanze

Gekannt haben sie schon die alten Römer, "Cimex" haben sie das lästige Tier genannt, das im Bett oder in dessen Nähe auf den arglosen Menschen wartet, um dessen Blut zu saugen. Als "Wandlaus" beschrieben es die Deutschen und Österreicher, als das gierige Getier im 11. Jahrhundert auch in unseren Breiten (laut Brehm zunächst in Straßburg) auftauchte - und aus der Wandlaus entstand die heute geläufige Form "Wanze".

Dass Wanzen heute eher elektronische Bauteile - üblicherweise aus Mikrofon und Sender bestehend - bezeichnen, mit denen nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Gespräche belauscht werden, hat mit der Ähnlichkeit der Lebensbedingungen von Wandlaus und elektronischer Wanze zu tun: Beide leben gerne hinter Bildern oder Tapeten, beide zielen auf unvorbereitete (im Fall der Bettwanzen: schlafende) Personen, beide sind im Ruhezustand genügsam: Eine Bettwanze kann Monate ohne frisches Blut auskommen, eine Abhörwanze hat ebenfalls Energie für lange Zeit gespeichert und bleibt auch aktiv, wenn sich gerade nichts tut. Natürlich nicht überall. Beide Arten von Wanzen brauchen spezifische Lebensbedingungen: Die Bettwanze fand ihr optimales Biotop erst, als im 18. Jahrhundert die Schlafzimmer halbwegs trocken und warm eingerichtet werden konnten. In kalten, feuchten Räumen wären die elektronischen Wanzen wohl auch lebensfähig - aber dort finden selten relevante Gespräche statt.

Gemeinsam ist der biologischen und der elektronischen Wanze auch die Diskretion: Wessen Heim von der Bettwanze befallen ist, der bekommt das bissige Viehzeug kaum zu sehen, so gut versteckt es sich - man erkennt den Befall vor allem an den schmerzhaft juckenden, meist dreimal nebeneinander gestochenen Bissen. Das ist peinlich, man redet lieber nicht darüber - das tun auch Abhöropfer nur dann, wenn ihnen an einem Skandal gelegen ist. Die meisten Opfer elektronischer Wanzen ziehen es vor, über erkannte Angriffe zu schweigen, ganz gefinkelte Zeitgenossen nutzen die Wanze sogar dazu, bewusst falsche Informationen an den Abhördienst zu liefern.

Bettwanzen, verwandt mit über 40.000 anderen Wanzenarten, die hier weniger interessieren, sind in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend verschwunden. In den USA, namentlich in Kalifornien, breitet sich der "Bedbug" dagegen rasch aus - die elektronische Wanze (auch von ihr gibt es tausende Arten) tut das ebenso, auch bei uns. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 2.7.2013)

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