Wiener Stadthalle verteidigt Verluste

1. Juli 2013, 14:05
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Wien - Die Wiener Stadthalle ist wegen ihrer Derivatgeschäfte, welche wegen der Errichtung der Halle F abgeschlossen wurden, einmal mehr in die Kritik geraten. Der Vorwurf: Im vergangenen Jahr sei wegen der riskanten Finanzierungen ein Millionenverlust eingefahren worden. Stimmt nicht, entgegnete die Stadthalle in einer Stellungnahme. Es seien keine Verluste aus Veranlagungen schlagend geworden. Aktuell und in seiner Gesamtheit betrachtet liege das Portfolio mit rund 480.000 Euro im Plus. Der Verlust von 6,49 Mio. Euro im Abschluss 2011/2012 soll bis 2017/2018 aus eigener Kraft kompensiert werden.

Konkret geht es bei der Kritik um jenes Derivatportfolio, das zur Absicherung des Zinsänderungsrisikos aus der Finanzierung der 2006 fertiggestellten Halle F dient. Das Kontrollamt beanstandete bereits 2011, dass durch den Einsatz einzelner derivativer Finanzinstrumente neue Risiken begründet wurden, welche nicht der Absicherung des Grundgeschäfts - eine Leasingvereinbarung - dienen würden. Die Stadthalle wies damals die Kritik zurück.

Die Stadthalle betonte einmal mehr, dass das Portfolio in Bewertungseinheit zum Grundgeschäft der Leasingfinanzierung der Halle F stehe, die einer variablen Finanzierung auf Basis des Sechs-Monats-Euribor unterliege. Um das Risiko zu streuen, bestehe es aus mehreren Produkten - davon hätten sich manche gut, manche weniger gut entwickelt: "Entscheidend ist, wie sich alle Produkte zusammen entwickelt haben und ob das Ziel im Sinne des aktiven Zins- und Risikomanagements erreicht wird und zwar über den gesamten Zeitraum der Leasingfinanzierung", hieß es.

Langfristige Leasingfinanzierung

Dabei wurde unterstrichen, dass die Leasingfinanzierung langfristig angelegt sei - mit einem Zeithorizont weit über das Jahr 2030 hinaus. Das Portfolio werde aktiv gemanagt und regelmäßig bewertet.

Laut Abschluss des Geschäftsjahres 2011/2012 beläuft sich der Bilanzverlust auf 6,49 Mio. Euro. Für zwei mit der Erste Bank abgeschlossene Zinsderivate musste die Stadthalle Rückstellungen in Höhe von gesamt 3,9 Mio. Euro bilden, wie auf APA-Nachfrage bestätigt wurde. Ein mit der UniCredit Bank Austria abgeschlossenes Optionsgeschäft lag zum Bewertungsstichtag mit 3,6 Mio. Euro im Minus.

Die Rücklagen seien als Vorsichtsmaßnahme gebildet worden, wurde seitens der Stadthalle betont. Dies sei eine Empfehlung des Kontrollamts und des AFRAC (Austrian Financial Reporting and Auditing Committee) gewesen. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass die Bilanzierung schon bisher korrekt erfolgt sei, was auch Gutachten bestätigen würden.

In den bisherigen Bilanzen hätten keine Rückstellungen gebildet werden müssen. Grund sei, dass es sich aus Sicht der Stadthalle um eine Bewertungseinheit aus dem Grundgeschäft der Immobilien-Leasingfinanzierung und der Zinssicherung durch das Derivatportfolio handle.

Dementi

Die Stadthalle dementierte in diesem Zusammenhang auch, dass sich der Fehlbetrag 2011/2012 ohne den 8,3 Mio.-Euro-Zuschuss der Wien-Holding, deren 100-prozentige Tochter die Stadthalle ist, auf 14,8 Mio. Euro belaufen hätte. Dies sei nicht korrekt. Denn Rückstellungen aus kaufmännischer Vorsicht seien keine Verluste, hieß es. Aus dem Veranlagungsportfolio seien auch keine Verluste lukriert worden - diese würden nur dann entstehen, wenn man die betreffenden Finanzprodukte "glattstellen" würde.

Überdies handle es sich bei dem Zuschuss der Wien-Holding um ein Darlehen, wurde betont. Damit sei es der Stadthalle ermöglicht worden, die Rückstellungen zu bilden und zusätzlich auch Spielraum für Investitionen zu haben, die bei einem 55 Jahre alten Bauwerk notwendig seien. Plan der Stadthalle ist, den Fehlbetrag von 6,49 Mio. Euro bis Ende des Wirtschaftsjahres 2017/18 aus eigener Kraft zu kompensieren. (APA, 1.7.2013)

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