Parmigiani: Quellentreue im Oval

2. Juli 2013, 11:23
14 Postings

Eine Uhrenkollektion, die sich an einer ovalen Taschenuhr aus dem 19. Jahrhundert orientiert - Das klingt vielleicht altbacken, ist aber voller technischer Raffinesse

Die Restauration alter Uhren steht am Anfang der jungen Geschichte der Manufaktur Parmigiani Fleurier. Schließlich widmete - und widmet - sich ihr Namensgeber und ausgebildete Uhrmachermeister Michel Parmigiani, Jahrgang 1950, der Instandsetzung alter Uhren. Er erweckte einige als irreparabel geltende Uhren wieder zum Leben und erregte damit die Aufmerksamkeit der steinreichen Pharma-Familie Sandoz, die ihn mit Aufträgen bedachte.

Von der Sandoz-Stiftung ermuntert und alimentiert, gründete er 1994 eine eigene Manufaktur in Fleurier (Kanton Neuchâtel), an der sich auch die Stiftung mehrheitlich beteiligte. 1996 debütierte Parmigiani mit der ersten Kollektion, die bereits die Grundzüge und die Philosophie der Marke widerspiegelte: Geringe Stückzahlen, Handarbeit, hohe Qualität und Detailtreue.

Vor diesem Hintergrund verwundert es also nicht, dass sich die neue "Collection Ovale" an einer ovalen Taschenuhr aus dem frühen 19. Jahrhundert orientiert, die Michel Parmigiani im Jahr 1997 restaurierte. Das Besondere an dieser Uhr sind ihre Teleskop-Zeiger, die ihre Länge – entsprechend der ovalen Form – je nach Position anpassen: Auf 3 und auf 9 Uhr verkürzen sich die Zeiger, auf 6 und 12 Uhr hingegen verlängern sie sich.

Ganz nach diesem Prinzip ist auch das Aushängeschild der neuen Uhrenlinie konzipiert, die Komplikation der Pantograph-Zeiger. Der Name kommt von dem gleichnamigen Zeichenwerkzeug, nach dessen Funktionsprinzip die Zeiger funktionieren.

Die Zeiger gestalteten sich schließlich auch als größte Herausforderung bei der Realisierung der Uhr, wie es bei Parmigiani heißt: Während das Ausschneiden der feinen Titansegmente den Einsatz einer hochpräzisen Laserschneidtechnik mit Wasser und Stickstoff erforderte, war für das Zusammensetzen höchstes - menschliches - Feingefühl gefragt.

Die neue Uhr ist somit nicht nur technisch raffiniert, sondern spiegelt auch den Bezug zur Restaurierung und Vergangenheit wider – für die Manufaktur die wesentliche Quelle ihres uhrmacherischen Strebens. (Markus Böhm, derStandard.at, 02.07.2013)

Spezifikation der "Ovale Pantographe" mit Teleskopzeigern: 45,0 x 37,6 mm / Höhe: 12,0 mm, Manufakturkaliber PF111, Uhrwerk mit Handaufzug und 8 Tage (192 Stunden) Gangreserve, Gehäuse in 750/- Rosé- und Weißgold. Gangreserve-Anzeige bei 12 Uhr, Datum bei 3 Uhr. Zu haben für 53.000 Euro.

www.parmigiani.ch

    Share if you care.