Studenten sammeln mit Smartphones Daten über im Straßenverkehr getötete Tiere

1. Juli 2013, 13:19
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Auch streng geschützte Tiere verenden auf heimischen Straßen - Studenten wollen mit App auch Laien in Projekt einbeziehen

Wien - Mit der speziell entwickelten Smartphone-App "BOKUroadkill" dokumentierten Studenten der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) bisher etwa 1.500 im Straßenverkehr getötete Tiere. Das System soll in Zukunft auch auf besonders gefährliche Straßenabschnitte hinweisen. Auf diesem Weg biete sich die Möglichkeit, Studenten auch im Rahmen von Massenlehrveranstaltungen Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten zu geben. Die Initiatoren wollen durch die App zukünftig auch interessierte Laien in die Forschung einbeziehen.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Biologie terrestrischer Tiere" wurden rund 230 Umwelt- und Bioressourcen-Management-Studenten mit der Aufgabe betraut, Sichtungen von auf Straßen getöteten Tieren - sogenannte "Roadkills" - zu dokumentieren. Über die App machten sie im vergangenen Semester mehr als 650 Einträge, in die auch Informationen zur Umgebung, zum Straßentyp und weiteren Parametern eingingen.

Auch streng geschützte Tiere verenden auf heimischen Straßen

Neben Igeln, Hauskatzen oder Feldhasen verenden auf Österreichs Straßen aber auch Tiere wie Schlingnattern, Skorpione, Smaragdeidechsen, Waldohreulen oder Wechselkröten. "Das sind ganz streng geschützte Tiere, für die zum Teil sogar Schutzgebiete ausgewiesen werden müssten. Wie viele von ihnen auf den Straßen zu Tode kommen, ist überhaupt nicht bekannt", so Lehrveranstaltungsleiter Johann Zaller.

Das ist für die Wissenschaft interessant, da es bisher in Österreich lediglich Daten zu im Straßenverkehr getöteten jagdbaren Wildtieren gab. "Im Gebiet des Nationalpark Gesäuse wurde zum Beispiel ein toter Biber gemeldet. Da wusste man vorher aber gar nicht, dass der dort vorkommt", erklärte der Experte.

Freilanddaten

Überraschend für Zaller und seine Kollegen war, dass vor allem in Ortsgebieten sehr viele Frösche und andere Amphibien niedergefahren werden. Weniger überraschend war die Erkenntnis, dass auf Landstraßen viel passiert. Auf Autobahnen sind Tiere und Lenker wiederum meistens durch Tunnel und andere Schutzbauten voreinander geschützt. Zaller: "Wir haben mit den aktuellen Datensätzen schon ein paar Stellen identifiziert, wo wir nachhaken und durchaus mit Straßenerhaltern Kooperationen aufbauen könnten, damit da etwas gemacht wird".

Für Studenten sei die neue Methode eine interessante Möglichkeit, bereits früh im Studium Freilanddaten zu sammeln, so der Forscher, dessen Lehrveranstaltung mit dem "BOKU Teaching Award 2013" ausgezeichnet wurde.

"Citizen Science"-Programm

Zaller und sein Team wollen das Projekt jetzt in Richtung eines größeren "Citizen Science"-Programms ausbauen, "wo jeder mitmachen kann". Die Wissenschafter erstellen nun eine Homepage, wo die App zum Download bereit stehen wird. "Wir erwarten uns, dass wir von den mitmachenden Laien auch Tierarten gemeldet bekommen, von denen man nichts weiß oder deren Verbreitung man nicht so gut kennt". (APA, 1.7.2013)

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