Falsche Ernährung fordert zahlreiche Todesopfer

1. Juli 2013, 13:43
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Mehr als zwei Drittel der Todesfälle in der WHO-Europa-Region gehen auf falsche Ernährung und nicht übertragbare Krankheiten zurück

Am 4. und 5. Juli, findet in Wien eine Ministerkonferenz der WHO-Region Europa (54 Mitgliedsstaaten) statt. Es geht um das in den Industriestaaten seit längerem bekannte, in den Schwellen- und Entwicklungsländer immer brisanter werdende Thema "Ernährung und nicht übertragbaren Erkrankungen". Am Ende wird eine "Wiener Erklärung" stehen, mit der politisches Handeln zur Verhinderung von Adipositas, zur Verbesserung der Qualität der Ernährung, für entsprechende wirtschaftspolitische Konzepte und zur Bekämpfung von sozialer Ungleichheit gefördert werden soll.

Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebs

Mehr als zwei Drittel der Todesfälle in der Europa-Region der Weltgesundheitsorganisation gehen auf falsche Ernährung und nicht übertragbare Krankheiten zurück. Am häufigsten sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebs. Übergewicht und Adipositas zählen neben dem Rauchen und dem Alkoholkonsum zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren.

Auch in Österreich gibt es in Sachen Ernährung deutliche Defizite, wie zuletzt der Ernährungsbericht 2012 zeigte. Die Österreicher essen weiterhin zu fett, zu salzig und zu wenig Obst und Gemüse; dennoch ist der Nährstoffstatus im Wesentlichen gut.

Für den aktuellen Report wurden neben Messungen von Gewicht, Größe, Bauchumfang und Befragungen zur Nahrungsaufnahme erstmals auch beim gesamten Studienkollektiv von 1.002 Personen laborchemische Analysen von Blut- und Harnproben durchgeführt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bei den Sieben- bis 14-jährigen Schulkindern sind 24 Prozent übergewichtig oder adipös. Übergewicht ist im Vergleich zu 2008 von elf auf 17 Prozent Anteil gestiegen. Beim schweren Übergewicht (insgesamt acht Prozent) ist die Häufigkeit bei Buben gleich geblieben, bei Mädchen gesunken. Knapp vier Prozent der Buben sind untergewichtig, Mädchen doppelt so häufig wie Buben.
  • 40 Prozent der 18- bis 64-Jährigen sind in Österreich übergewichtig, zwölf Prozent davon sind adipös. Übergewicht und Adipositas steigen mit zunehmendem Alter bei beiden Geschlechtern an, wobei beides bei Männern deutlich häufiger auftritt (Männer: 52 Prozent; Frauen: 28 Prozent).
  • Ab 65 Jahren gibt es einen Rückgang bei Übergewicht, hingegen einen Anstieg von Untergewicht. Bei den 65- bis 80-Jährigen sind ein Drittel (33 Prozent) übergewichtig oder adipös (200: 40 Prozent), Frauen mit 37 Prozent deutlich häufiger als Männer mit 28 Prozent. Allerdings weist mehr als die Hälfte der älteren Menschen einen zu hohen Körperfettanteil auf.
  • In allen Bevölkerungsgruppen zeigte sich ein zu hoher Konsum an gesättigten Fettsäuren. Verantwortlich dafür ist vor allem ein zu häufiger Konsum an Fleisch- und Wurstwaren. Die Zufuhr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren könnte optimiert werden, z.B. durch häufigeren Konsum von Fisch oder hochwertigen pflanzlichen Ölen.
  • In allen Altersgruppen wird mehr Kochsalz zugeführt als maximal empfohlen. Bei mehr als der Hälfte der Erwachsenen und älteren Menschen liegt die Aufnahme sogar über dem als gesundheitlich bedenklich eingestuften Wert von zehn Gramm pro Tag (das entspricht ca. zwei Teelöffeln).
  • Lediglich Schulkinder nehmen die mindestens empfohlenen 50 Prozent an Energie durch Kohlenhydrate zu sich - im Mittel bestehen bei den Schulkindern hier aber mehr als die maximal empfohlenen zehn Energieprozent aus Zucker. Komplexe Kohlenhydrate (stärkehaltige Lebensmittel) werden nach wie vor zu wenig konsumiert. Eine Folge davon ist eine zu niedrige Ballaststoffzufuhr, die zusätzlich durch einen zu geringen Verbrauch an Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten verstärkt wird. Sie liegt im Durchschnitt klar unter der Empfehlung von 30 Gramm pro Tag.
  • Die Zufuhr an Protein ist in allen untersuchten Altersgruppen zufriedenstellend.
  • Bei den meisten Vitaminen und Mineralstoffen ist die Zufuhr ebenfalls ausreichend. Bei einigen hingegen bestätigten sich bereits bekannte Defizite. Zu diesen "Risikonährstoffen" zählen Vitamin D, Folsäure, Kalzium und Jod. Hinzu kommt Eisen bei Schulkindern und Frauen im gebärfähigen Alter (unter 50 Jahren). 

In allen untersuchten Bevölkerungsgruppen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Mengen für Obst und Gemüse liegen deutlich unter den Empfehlungen. Ältere Menschen konsumieren am wenigsten davon. (APA/red, 1.7.2013)

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    Quer durch alle Bevölkerungsgruppen liegen die konsumierten Mengen von Obst und Gemüse deutlich unter den Empfehlungen.

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