Flugbuchen als Geheimwissenschaft

2. Juli 2013, 13:59
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Nur wer früh bucht, hat Chancen auf einen günstigen Flug. Computer und Smartphone - mit oder ohne App - spucken höchst unterschiedliche Preise aus

Wien – Sommerzeit ist Reisezeit. Wer seine Urlaubspläne eher kurzentschlossen schmiedet, muss hinsichtlich der Preise auf seine Glücksfee vertrauen. Zumindest wenn eine Flugreise am Plan steht. Der Preis für ein- und dieselbe Verbindung kann innerhalb von wenigen Tagen um zehn bis vierzig Prozent schwanken, ergab ein Test des Autofahrerklubs ÖAMTC. "Bei wiederholter Suche nach ein- und demselben Flug haben sich starke Preisschwankungen gezeigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man direkt über eine Airline buchen möchte oder ein Online-Buchungsportal nutzt", fasst ÖAMTC-Touristikerin Maria Renner in einer Aussendung zusammen.

Zu beobachten waren sowohl Preiserhöhungen als auch -senkungen, eine dahinter liegende Logik war für die Expertin nicht erkennbar. "Die Entwicklung der Preise scheint vollkommen willkürlich zu sein und ist für die Konsumenten damit nicht nachvollziehbar", schließt Renner.

Unterschiedliche Geräte – unterschiedliche Preise

So wurde ein Lufthansa-Flug von Wien nach Berlin einen Monat vor dem Abflug um 258,34 Euro, dann um 293,34 Euro und am letzten Tag um 273,34 Euro angeboten. Ein Flyniki-Flug von Wien nach London kostete im gleichen Zeitraum zwischen 316 und 431 Euro. Von Belang ist aber nicht nur der Zeitpunkt der Flugbuchung. Teils beträchtliche Unterschiede wurden auch bei Buchungen auf unterschiedlichen Endgeräten festgestellt. Der Preis über eine App kann anders aussehen als bei Buchung via Computer.

Für einen AUA-Flug gab zum gleichen Zeitpunkt die Bravofly-App einen Preis von 153,34 Euro an, ein Computer 178,34 Euro und ein weiterer stationärer Rechner 163,34 Euro. Bei einem Reiseportal stellte der ÖAMTC etwa einen um 25 Euro abweichenden Preis zwischen der firmeneigenen Buchungs-App und der Buchungs-Website für den gleichen Flug am gleichen Tag zum gleichen Zeitpunkt fest.

Worauf Renner außerdem hinweist: Bei Buchungsportalen gibt es oft keine genaue Aufschlüsselung der Kosten. Wie der Endpreis letztlich zustande komme, sei nicht immer nachvollziehbar. Bei Bravofly sei zusätzlich Vorsicht geboten, weil eine Reiseversicherung voreingestellt ist – laut ÖAMTC ein Verstoß gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes.

Frühbucher fliegen tendenziell billiger

Echte Frühbucher haben laut ÖAMTC tatsächlich die Chance auf billigere Flüge: Buchungen bei einer Airline oder einem Reiseportal rund einen Monat vor Abflug sind "tendenziell" teurer als drei oder mindestens sechs Monate im Voraus.

Der Rat der ÖAMTC-Experten: Viel vergleichen, auch mit unterschiedlichen Browsern und bei einem günstigen Angebot sofort zuschlagen. Meta-Suchmaschinen wie checkfelix.at, swoodoo.at oder skyscanner.at würden einen guten Überblick geben und außerdem mit ihrer eigenen IP-Adresse auf Reiseportale zugreifen. Sonst könne über Cookies der Preis an das Surfverhalten des urlaubsfreudigen Kunden angepasst werden. Daher könne es sich auch lohnen, die Cookies zu löschen oder aber auf einem PC zu suchen und auf einem anderen Computer mit abweichender IP-Adresse zu buchen. Der Montagvormittag ist übrigens besonders ungünstig, weil da viele User online sind.

Eislutschen in Bulgarien

Die ÖAMTC-Touristiker haben sich darüber hinaus auch für potenzielle Kostenfallen am Urlaubsort interessiert. Wer etwa nach Alassio an der italienischen Riviera reist, zahlt für eine Strandliege inklusive Sonnenschirm 37 Euro pro Tag. In Bodrum an der westtürkischen Ägäis kostet das keinen Cent. Eine Kugel Eis ist mit 2,96 Euro auf den Wattenmeerinseln in Dänemark besonders teuer. Im Mittelfeld liegt diesbezüglich Kreta mit 1,75 Euro je Gupferl. Richtig billig ist Eislutschen in Bulgarien. In Obzor schlägt ein Kugerl mit nur 0,36 Euro zu Buche. (rb, derStandard.at, 2.7.2013)

Mehr dazu auf den ÖAMTC-Seiten

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    Rechtzeitige Urlaubsplanung zahlt sich aus.

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