Schwere Erdbeben lassen Vulkane absacken

1. Juli 2013, 13:57
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Beben könnten damit Einfluss auf das Risiko von Vulkanausbrüchen haben - Forscher kommen zu unterschiedlichen Erklärungen für das Phänomen

London - Große Erdbeben sind in der Regel verantwortlich für umfassende geologische Umbrüche, soviel war bisher bereits bekannt. Einen neuen Aspekt dieser Veränderungen haben nun Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden: Es zeigte sich, dass die beiden heftigsten Beben der vergangenen Jahre in Japan und Chile mehrere Vulkane schrumpfen ließen. Diesen bisher unbekannten Effekt haben japanische und US-Forscher unabhängig voneinander festgestellt. Erdbeben könnten also das Risiko von Vulkanausbrüchen beeinflussen, warnen die Forscher.

Die beiden Forscherteams haben mit Satellitendaten die Verformungen der Erdkruste durch große Erdbeben untersucht. Dabei handelte es sich um das Tohoku-Erdbeben der Stärke 9,0 von 2011 in Japan und um das Maule-Erdbeben von 2010 in Chile, das die Stärke 8,8 hatte.

Ein Phänomen - zwei Erklärungsversuche

Nach beiden Erdstößen hatten die Vulkane in der Region im Schnitt etwa 15 Zentimeter an Höhe verloren, berichten sie im Fachblatt "Nature Geoscience". Trotz ähnlicher Messungen kommen die Forscher zu unterschiedlichen Erklärungen für den Effekt: Die japanischen Wissenschafter vermuten, dass das Magma und damit auch das Gestein unter den Vulkanen durch das Beben abgesunken ist. Die US-Wissenschafter hingegen glauben, dass die Erschütterungen bei den chilenischen Vulkanen bedeute, dass unterirdische Flüssigkeiten freigesetzt und damit das Absinken verursacht haben.

Über die Ursachen für das Schrumpfen der Vulkane herrsche also noch Uneinigkeit, schrieb Sigurjon Jonsson von der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi-Arabien in einem Begleitkommentar. Doch diese "bemerkenswerten Beobachtungen" würden unterstreichen, dass große Erdbeben die Eigenschaften von Vulkanen stark beeinflussen können - und damit auch deren Gefahrenpotenzial. (APA/red, derStandard.at, 01.07.2013)

  • Die Karte von Südchile zeigt Regionen und Ausmaß von Faltenbewegungen nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010. Die fünf untersuchten Vulkane (mit Rechtecken markiert) waren hinterher um einige Zentimeter abgesackt.
    grafik: matthew pritchard/nature geoscience

    Die Karte von Südchile zeigt Regionen und Ausmaß von Faltenbewegungen nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010. Die fünf untersuchten Vulkane (mit Rechtecken markiert) waren hinterher um einige Zentimeter abgesackt.

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