Schlaflos in Tel Aviv

1. Juli 2013, 17:52
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Bianca kostet sich durch Tel Avivs Restaurants und bekommt das Schönheitselixier auf dem Teller serviert

"Da komm ich zwar nicht her, aber da gehör ich kulinarisch hin!" habe ich mir sofort insgeheim gedacht, als ich an meinem ersten Tag in Tel Aviv mit Gila zum Essen verabredet bin. Frische, knackige Salate, Quinoa, Hummus und arabisch-mediterran beeinflusste Speisen machen den kulturellen Schmelztigel Tel Aviv zu einem kulinarischen Himmel auf Erden.

Fünf Jahre haben Gila und ich uns nicht gesehen, seitdem wir uns in Guatemala kennengelernt und unsere gemeinsame kulinarische Leidenschaft entdeckt haben. Gila arbeitet mittlerweile für die links-liberale Zeitung Haaretz und hat mehr als ein Jahrzehnt in den USA gelebt, bevor sie wieder nach Tel Aviv zurückgekehrt ist. "Warum bist du nach so langer Zeit zurück?", frage ich sie überrascht. "In Tel Aviv ist das Essen interessanter und der Lebensstil entspannter. Hier schauen sich die Leute auf der Straße auch noch an und das hat mir schon gefehlt in New York!" kommt Gila gleich auf den Punkt.

Hummus

Als wir uns in Jaffa mittags hungrig auf die Suche nach Abo Hasan, der Hummusinstitution in Jaffa, machen, übersetzt Gila unaufgeregt das Kompliment, das mir ein Mann auf Hebräisch gerade beim Vorbeigehen zugerufen hat "He just said you have nice legs". In der Tat, hier bekommt man mehr Aufmerksamkeit auf der Straße als ich selbst von der Balkan-beeinflussten Brigittenau gewohnt bin. Bei Abo Hasan angekommen, ergattern wir einen der wenigen Plätze draußen. Nur vier Gerichte werden hier angeboten Hummus, Ful, Masabcha und Labneh, aber die haben sie wirklich drauf. 

Apropos Hummus, das sei der Grund warum die israelischen Frauen so hübsch sind, erklärt uns ein Taxifahrer, quasi das Schönheitselixier der israelischen Frauen und meint zu uns, dass wir mehr davon essen sollten.

Shakshuka

Dr. Shakshuka ist die hübsche Eier-Institution in Jaffa, wohin auch große amerikanische Touristengruppen gebracht werden und man auch dementsprechend touristisch bedient wird.

Shakshuka ist ein durchaus leckeres und deftiges Gericht, bei dem die Eier in Tomatensauce gegart werden. Ein viel besserer Geheimtipp in Jaffa ist hingegen Paul's Café dessen schüchterner und leicht brummiger Besitzer die besten (!) Sandwiches, Salate und Kuchen in Jaffa zubereitet. Anscheinend habe ich für seinen Geschmack schon ausreichend Hummus gegessen, da er mir zum Abschied noch schüchtern selbstgemachte Salzschokolade schenkt.

Das Zentrum von Tel Aviv ist weiß und laut und abgesehen vom Strand und dem Park entlang dem Hayarkon Fluss gibt es wenige Ruheoasen.

Eine willkommene Abwechslung dazu ist das Mann Auditorium (Habimah Square) mit einem schönen Café und einem Garten, in dem klassische Musik gespielt wird.

Von hier aus kann man am berühmten Rothschild Boulevard flanieren, der am Tag und in der Nacht zwei verschiedene Gesichter hat. Besonders liebe ich die Kioske in der Mitte des Boulevards, die selbst bis in die frühen Morgenstunden noch Getränke und Essen verkaufen. Die frischen Smoothies von der Obstbar sind herrlich erfrischend und nach einer durchzechten Nacht die optimale Kater-Prävention.

Am anderen Ende des Rothschild Boulevards liegt Neveh Tzedek, die "Altstadt" von Tel Aviv, mit hippen Restaurants, ruhigen Gassen und dem besten Eis der Stadt – Anita. Gleich ums Eck befindet sich das Restaurant Suzanna mit einem wunderschönen Gastgarten, herrlichen Vorspeisen und der leckersten Leber im Teigmantel von Tel Aviv bis Wien.

Ceviche

Gila und ich sind anno dazumal in Guatemala auf den Ceviche-Geschmack gekommen. Von dieser Reise beeinflusst, habe ich auch in meinem Kochbuch "Zu Gast in der geheimen Schnatterei" im Juni-Menü Ceviche mit Saibling zubereitet und daher versuchen wir auch in Tel Aviv wieder gemeinsam unser Ceviche-Glück. Mein absoluter Favorit ist das Mizlala, wo uns Lachsceviche auf dunklem Quinoa mit einer asiatischen Vinaigrette serviert wird.

Herrlich, herrlich, herrlich! Im hübschen Joz ve Loz (51 Yehuda Halevi st.) wird uns als Ceviche bezeichneter, aber als Carpaccio getarnter frischer Fisch mit Grapefruit serviert, der auch wirklich lecker schmeckt.

Wer sich nach dem tollen Essen die Energie aus dem Körper tanzen möchte, kann sich gleich ums Eck im georgischen Nanuchka (Lilienblum 30) noch in die musikalische Endlosschleife der 80iger-Jahre begeben.

Schlaflos in Tel Aviv! Denn hier gibt es wirklich eine schier unendlich große Anzahl an guten Restaurants. Mehr Informationen und Geschichten zu meinen kulinarischen Reisen finden Sie auf meinem Blog Gib Bianca Futter! (Bianca Gusenbauer, derStandard.at, 1.7.2013)

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