Funkenflug um Desertec

1. Juli 2013, 11:04
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Getrennte Wege: Die Desertec-Stiftung verlässt die von 20 Konzernen und Institutionen betriebene Initiative zur Realisierung der Wüstenstrom-Vision

Der Streit zwischen der Stiftung Desertec, die Wüstenstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa bringen will, und dem Industriekonsortium Dii, das diese Vision realisieren soll, ist eskaliert. Die Desertec-Stiftung - Mitbegründerin der internationalen Planungsgesellschaft Desertec Industrial Initiative (Dii) - steigt laut Süddeutscher Zeitung (SZ) mit sofortiger Wirkung aus der von 20 Konzernen und Institutionen betriebenen Initiative zur Realisierung der Vision aus. Aufsichtsrat und Vorstand der Desertec-Foundation haben laut Austria Presseagentur auf einer außerordentlichen Sitzung schon am 27. Juni einstimmig beschlossen, die Mitgliedschaft bei der Dii zu kündigen.

Fehlender Rahmen

Die Stiftung hält die Namensrechte am Wüstenstromkonzept. Nach Angaben aus Kreisen der Dii in München wolle die internationale Desertec Foundation verhindern, dass die Planungsgesellschaft weiter den Namen Desertec trägt, heißt es in der Süddeutschen Zeitung. Den Angaben zufolge ist die Stiftung unzufrieden mit der Leistung der Industrieinitiative. Die habe ihr Hauptziel bislang verfehlt, den politischen und regulatorischen Rahmen für den Markt für Strom aus der Wüste zu schaffen.

Streit um Strategie

Laut dem Zeitungs-Bericht streiten außerdem die Dii-Geschäftsführer Paul van Son und Aglaia Wieland über die künftige Strategie: Van Son wolle Pläne für einen raschen Export von Wüstenstrom nach Europa vorerst zu den Akten legen, Wieland verfolge dieses Ziel weiter. Desertec-Geschäftsführer Thiemo Gropp erklärte der SZ er habe Verständnis für die "Herausforderungen", mit denen die Dii zu kämpfen habe. "Es war uns immer klar, dass die Umsetzung der Idee, in den Wüsten dieser Erde Strom zu produzieren, kein leichtes Unterfangen wird." Nach "diskussionsreichen Monaten" müsse die Stiftung aber "leider feststellen", dass sie ihre Unabhängigkeit nicht gefährden dürfe. "Deshalb werden Dii und die Stiftung fortan getrennte Wege gehen." Dies schließe eine künftige Zusammenarbeit aber nicht aus. (red, derStandard.at, 1.7.2013)

 

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    In Marokko erfolgt jüngst der Spatenstich für eine 700 Millionen Euro teure Pilotanlage des Desertec-Projekts.

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