Erderwärmung gibt El Niño Rückenwind

30. Juni 2013, 20:15
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Klimaphänomen war im 20. Jahrhundert stärker als in den 600 Jahren davor

Washington/London - Niederschläge und Überschwemmungen an der Westküste Süd- und Nordamerikas, vermehrtes Auftreten von Wirbelstürmen in Mittelamerika und Ernteausfälle durch Trockenheit in Asien, Afrika und Australien gehören zu den vielen Auswirkungen von El Niño. Das unregelmäßig meist in Abständen zwischen zwei und sieben Jahren auftretende Klimaphänomen, bei dem sich der Pazifische Ozean in Äquatornähe ungewöhnlich stark erwärmt, sorgt immer wieder weltweit für extreme Wetterereignisse.

Zwei aktuelle Studien beschäftigen sich mit Aspekten, die die Auswirkungen von El Niño - Southern Oscillation (Enso), wie der ozeanisch-atmosphärische Zyklus hinter dem Phänomen genannt wird, besser abschätzbar machen sollen: mit der Vorhersagbarkeit und den Wechselwirkungen mit der globalen Erderwärmung.

Forscher um Jinbao Li und Shang-Ping Xie von der University of Hawaii sind der Frage nachgegangen, ob der Klimawandel El Niño verstärkt oder abschwächt. Die Aufzeichnungen des Menschen reichen nicht lange genug zurück, um daraus schließen zu können, ob etwa die ungewöhnlich starken El-Niño-Folgen der Jahre 1982/83 und 1997/98 mit der Erderwärmung zusammenhängen. Deshalb haben die Forscher für die im Fachjournal Nature Climate Change publizierte Studie auf die Jahresringe von Bäumen verschiedener Weltregionen zurückgegriffen, die von Temperatur- und Niederschlagsschwankungen aus den letzten 700 Jahren zeugen.

Aus den 2222 untersuchten Jahresringchronologien konnten die Forscher ableiten, dass Enso im späten 20. Jahrhundert im Vergleich zu den 600 Jahren davor außergewöhnlich aktiv war - woraus sich ein Zusammenhang mit der Erderwärmung schließen lässt. Die Daten belegen eine derartige Sensibilität von Enso auch dadurch, dass nach Vulkanausbrüchen in den Tropen, die wie die CO2-Emissionen den Strahlungshaushalt der Erde beeinflussen, der Pazifik im ersten Jahr ungewöhnlich kühl bleibt, ein Jahr später sich aber stark erwärmt.

"Viele Klimamodelle berücksichtigen den starken Einfluss der Erderwärmung auf Enso nicht", sagt Shang-Ping Xie. Die Ergebnisse der Studie sollen nun helfen, die Genauigkeit der Modelle zu verbessern. Der Meteorologe folgert: "Wenn sich der Trend einer steigenden Enso-Aktivität fortsetzt, erwarten wir in Zukunft noch mehr Wetterextreme wie Überflutungen und Dürren."

Langfristige El-Niño-Vorhersagen

Ein weitere, im Fachblatt PNAS publizierte Studie stellt ein System vor, um El Niño genauer und langfristiger vorherzusagen. Bisher konnte das Phänomen etwa sechs Monate vor Eintreten prognostiziert werden. Jans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat mit Kollegen Daten über eine Vielzahl von Fernwirkungen zu einem Netzwerkmodell kombiniert, das effiziente Vorhersagen zwölf Monate vor dem Eintreten von El Niño möglich machen soll. (pum, DER STANDARD, 02.07.2013)

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    Stark erwärmtes Wasser im Pazifik, hier in einer Grafik vom El-Niño-Ereignis 2010, sorgt für globale Auswirkungen.

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