Auch die "Krawatten" treten der EU bei

30. Juni 2013, 19:08
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Die Männer verdanken ihr wichtigstes Accessoire kroatischen Söldnern, die in Frankreich dienten

Eigentlich sieht man sie in Zagreb äußerst selten, die Krawatte. Obwohl die Menschheit dem nun 28. Mitgliedstaat der EU das wichtigste Modeaccessoire für Männer verdankt. Das Wort "Krawatte" wurde im 17. Jahrhundert von dem französischen Wort "croate", dem kroatischen "Hrvat" - zu Deutsch "Kroate" -, abgeleitet. Die Krawatte war immer ein Kleidungsstück der Militärs. Die Focale etwa, ein Tuch aus Baum- oder Schafwolle, wurde bereits von Legionären im römischen Heerwesen getragen.

Die Krawatte war ursprünglich ein kroatisches Produkt, das Soldaten im Dreißigjährigen Krieg trugen, aber es waren nicht die Kroaten, die dem roten Halstuch den Namen gaben. Die "Kravata" (im Kroatischen) ist eine Fremdbezeichnung. König Ludwig XIV. sah die Schleife um den Hals, deren Enden über der Brust baumelten, angeblich bei einer Parade kroatischer Reiter vor dem Schloss Versailles und fand sie einfach schick. Er beschäftigte sogar einen eigenen Cravatier.

"Croate" kommt vom Verb "cravater"

In dem Buch La Grande Histoire de la Cravate schreibt der französische Schriftsteller François Chaille: "Um das Jahr 1635 kamen etwa sechstausend Soldaten und Ritter nach Paris, um den französischen König Ludwig XIV. zu unterstützen. Unter ihnen war auch eine große Anzahl von kroatischen Söldnern, angeführt vom kroatischen Banus, der im Dienste des französischen Königs stand. Die traditionelle Uniform mit gebundenen, bemalten Halstüchern zog die Aufmerksamkeit des französischen Hofes an sich. Die Halstücher waren aus unterschiedlichen Materialien hergestellt, aus rauen, die von einfachen Soldaten getragen wurden, und aus Seide oder feiner Baumwolle, die von Offizieren getragen wurden. Dieser 'kroatische elegante Stil', der bis dahin in Europa völlig unbekannt war, wurde um das Jahr 1650 vom französischen Hof salonfähig gemacht. Seitdem gehörte er zur Mode der damaligen Bourgeoisie und wurde so Sinnbild für Kultur und Eleganz. Abgesehen von seiner Schönheit, war das Halstuch auch viel praktischer als die bisher getragen starren Spitzenkragen der französischen Soldaten und Offiziere."

Abgeleitet von "croate" ist auch das Verb "cravater", das "schnappen" beutet. In Kroatien wird zwar am 18. Oktober der internationale Tag der Krawatte meist aus Werbezwecken begangen, und es gibt sehr schicke Krawattenläden in Zagreb. Doch die kroatischen Männer haben sich schon lange vom Krawattenzwang befreit.(Adelheid Wölfl aus Zagreb, DER STANDARD, 1.7.2013)

  • Der schicke Laden Croata befindet sich im Oktogon, einer Geschäftspassage im Zentrum von Zagreb. Hier bekommt man Seidenkrawatten.
    foto: standard/wölfl

    Der schicke Laden Croata befindet sich im Oktogon, einer Geschäftspassage im Zentrum von Zagreb. Hier bekommt man Seidenkrawatten.

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