"Meine größte Chance war das Fechten"

    Porträt30. Juni 2013, 18:17
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    Benny Wendt (50), der Österreichs Paradefechter war, ist ein Hans Dampf in vielen Gassen geblieben. Fechten ist nach wie vor sein Thema, in seiner Agentur und im Klub

    Mödling - Vorweg - Benny Wendt ist nicht gleich Benny Wendt. Aus jenem Benny Wendt, der 1950 in Norrköping, Schweden, das Licht der Welt erblickte, ist ein ehemaliger Fußballer geworden, ein ehemaliger Kaiserslautern-Kultstürmer und ein ehemaliger Namenslieferant. Geliefert wurde seinerzeit an einen anderen, an jenen Wendt, der 1962 in Spittal an der Drau geboren wurde und ungefähr 15 Jahre seines Lebens auf den Namen Joachim hörte. Dann bekam er von Schulkollegen im Hinblick auf den schwedischen Kaiserslautern-Kultstürmer den Spitznamen "Benny" verpasst. Und so kam es, dass nun nicht nur die schwedische, sondern auch die österreichische Sportwelt einen Benny Wendt kennt. "Gegen Benny", sagt der österreichische Wendt, "hab ich mich zunächst sehr gewehrt." Mittlerweile sieht es natürlich ganz anders aus. "Heute kann ich mit Joachim gar nichts mehr anfangen."

    Dank Benny Wendt ist Österreich, das in den 30ern und 40ern vor allem dank Ellen Müller-Preis sowie in den 60ern dank Roland Losert eine Fechtnation war, in den 80ern und 90ern wieder eine Fechtnation geworden. Spittal an der Drau war quasi eine Hochburg, und Klein-Joachim war ein agiler, manchmal gar aggressiver Bub. Im Fechtklub sollte und konnte er sich abreagieren, mit zwölf Jahren beschloss er dann, in die Südstadt zu übersiedeln, ins Leistungszentrum. Die Eltern, gerade geschieden, hatten nichts dagegen einzuwenden. In der Südstadt sollte Joachim ein Benny und ein guter Florettfechter werden. Er fühlte sich im Internat gut aufgehoben bei Gunnar Prokop und Maria Sykora, Familienersatz gab es aber natürlich nicht. "Ich bin oft am Abend am Fenster gestanden und habe geweint."

    Olympia und Heeressport

    Wendt absolvierte erst die Handelsschule, dann die Handelsakademie (Vienna Business School), Wendt wurde Zeitsoldat. 22 Jahre lang diente er dem Land, und das Land diente ihm. "Ich war der längstdienende Heeressportler Österreichs." Mit 41 rüstete er ab. "Irgendwann wird man halt nicht mehr besser."

    Er war gut gewesen, phasenweise sehr gut. Nahm von 1984 bis 2000 fünfmal en suite an Olympischen Spielen teil, im Sommer hat nur Hubert Raudaschl mehr Teilnahmen verbucht, nämlich neun. Wobei Wendt schon betont, dass die körperliche Belastung im Fechten den Vergleich mit jener im Segeln, vorsichtig gesagt, nicht scheuen muss. Seine besten Resultate schaffte er mit dem Team, das 1984 in Los Angeles und 1996 in Atlanta jeweils auf Rang vier kam. "1984 waren wir auch deshalb so gut, weil die Spiele teilweise boykottiert wurden", sagt Wendt. "1996 waren wir so gut, weil wir so gut waren."

    Er selbst als Zugpferd nahm eine Reihe von Florettfechtern an die internationale Spitze mit, allen voran Michael Ludwig, aber auch Anatol Richter, Marco Falchetto und Gerd Salbrechter. Wendt und Ludwig pushten sich gegenseitig, beide wurden Europameister. "Der Michi hat das noch vor mir geschafft, das hat mich schon sehr motiviert."

    Knapp

    Wendt schaffte noch weitere drei EM-Medaillen, bei Weltmeisterschaften wie bei Olympia blieb ihm der Sprung aufs Podest versagt. Die WM 1989 beendete er als Vierter, es war die letzte, bei der es ein Gefecht um Bronze und nicht zwei Dritte gab. 1990 war Wendt als WM-Fünfter wieder sehr knapp dran. "Ich will nicht sagen, dass es Pech war. Aber zumindest war es kein Glück." 1992 stand der Kärntner wohl auf dem Zenit seines Könnens, er war auf eine olympische Medaille programmiert, scheiterte knapp am späteren Olympiasieger Philippe Omnès, wurde Achter. Omnès ist Franzose, Frankreich ist eine große Fechtnation, etlichen Wendt-Treffern wurde vom Kampfgericht die Anerkennung verwehrt. "So war es halt."

    Insgesamt hadert Benny Wendt aber überhaupt nicht. "Ich habe in meinem Leben nicht viele Chancen gehabt", sagt er. "Und meine größte Chance war das Fechten." Er hat sie genützt, und er nützt sie nach wie vor. In Mödling führt er die "Fechtagentur Benny Wendt", sie bietet Incentives, Events und Kurse an, der Bogen reicht von Fechtkursen für Schulkinder über Personal Trainings bis zu Workshops zu Themen wie Teambuilding oder Personalführung. Auf Wendts Kundenliste finden sich Konzerne wie die Erste Bank oder die Rewe-Group. Nebenbei ist Wendt sportlicher Leiter des Union Fechtclubs Wien (1060, Hofmühlgasse 15), der immerhin 150 Mitglieder hat, die meisten sind Kinder. Wendt organisiert Turnierteilnahmen und Feriencamps.

    Umziehen, Most herholen

    Der Nachwuchs ist ihm ein besonderes Anliegen, das liegt wohl auch an seinen eigenen Kindern Mia (3) und Theo (1). "Es geht uns gut", sagt Benny und meint sich und seine Frau Theresa, die von ihren Eltern das Mödlinger Reisebüro Corso Reisen übernommen hat. Sie haben eine nette Wohnung mit einem netten Garten. "Wir sind in zwei Minuten im Zentrum und in zwei Minuten im Grünen." Das behaupten fast alle Mödlinger, Wendt behauptet es mit Fug und Recht.

    Was Wendt gar nicht reizt, ist ein Amt im Verband oder gar in der Sportpolitik. Nein, danke. Was Sportförderung und Sportinfrastruktur angeht, werde "nicht modern genug gedacht". Da ist Wendt lieber Familienvater und Hobbysportler. Ab und zu dreht er eine Laufrunde, einmal im Monat zieht er sich zum Fechten um. "Und dann zeig ich ihnen, wo der Bartl den Most holt." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 01.07.2013)

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      Benny Wendt (li.) beim Nützen seiner großen Chance.

    • Benny Wendt lebt in Mödling. "Es geht uns gut."
      foto: privat

      Benny Wendt lebt in Mödling. "Es geht uns gut."

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