Was alles eine bessere Hälfte sein kann

30. Juni 2013, 17:42
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Die Reihe "Intermezzo" präsentiert das KHM Bestände seiner Sammlungen - Nun widmet sich das Kuratorenteam dem Thema "Bessere Hälften"

Wien - Der Titel verwirrt. Sicher, der notorische Fremdgeher Zeus und seine wechselnden Liebschaften oder auch das biblische Urelternpaar Adam und Eva passen zum Ausstellungsmotto. Aber wer bei Bessere Hälften - (Kunst)Geschichten um Paare im KHM an eine Aneinanderreihung von Liebespaarporträts denkt, liegt falsch. Denn wer oder was bessere Hälften sind, wird in der fünften Intermezzo-Auflage ziemlich weit gefasst.

Wenig stringent und auf engem Raum zeigt die Ausstellung Paarkonstellationen aus vier Jahrtausenden: Liebes-, Geschwister- und Philosophenpaare, Götter und Herrscher, Fabel- und Bibelwesen auf Gemälden, Münzen, Schmuck, Rüstungen und Kuriositäten vom Altertum bis ins 19. Jahrhundert. Man will vor allem vor Augen führen, welche Paarkonstellationen abseits der Liebe Eingang in die Bildwelt gefunden haben.

Im Eingangsbereich Hans Memlings Altar-Außenflügel mit dem ersten Paar der Menschheit, Adam und Eva, die Memling (1430- 1494) Van Eycks Genter Altar nachempfunden hat. Die Bessere Hälfte - kulturhistorisch vom Betrachter aus gesehen auf der linken Seite - ist dabei selbstredend dem "Herrn der Schöpfung" vorbehalten. Eva, in einer anderen Szene steigt sie aus der Rippe ihres Angetrauten, wird hier aber nicht zum Beiwagerl degradiert, sondern steht in aufrechter, gleich großer Schönheit neben Adam.

Die beiden Flügel machen mittig den Blick frei für die kleine Statuengruppe eines ägyptischen Paares, von dem zunächst nur die herrlich poetische Rückenansicht zu sehen ist. Der sakrale Gesamteindruck der Szenerie wird komplettiert durch ein Buch aus dem frühen 16. Jahrhundert. Platons Symposion, in dem der Philosoph fantasiereich die Entstehung der Liebe beschreibt, liegt wie ein Messbuch vor Adam und Eva.

Es ist, als würde Platon mit wehmütigem Blick auf die ägyptische Statuengruppe den christlichen Urmenschen von einer längst vergangenen Zeit predigen. Verschiedenste Werke aus verschiedenen Epochen in Bezug zueinander zu setzen sorgt zumindest in dieser Szene für einen magischen Moment, den man später oft vermisst.

In sechs Bereiche gliedert sich die Ausstellung. Klassischen Liebespaardarstellungen werden andere Paarbilder gegenübergestellt, die vor allem Herrschaftsbeziehungen darstellen. Herrscher, Adelige und Bürger ließen sich besonders im Mittelalter und der Renaissance in Diptychen verewigen. Bemerkenswert die Darstellung von Leopold I. und seiner ihm angetrauten Nichte Margarita Teresa von Spanien, die in bunten Theaterkostümen zu sehen sind. Die kleinen von Jan Thomas 1667 gemalten Hochzeitsbilder gelten aufgrund der Kostüme als Dokument für die Frühzeit der Wiener Operntradition.

Lustgreise und Prostituierte

Die zahlreichen Werke, in denen Herrscher in Paarformationen auftreten, bewegen sich im Spannungsfeld zwischen privater Erinnerungskultur und politischer Repräsentation. So zeigt ein Stuccorelief von 1779, das anlässlich der Beendigung des Bayerischen Erbfolgekriegs entstanden war, neben der dynastischen auch die politische Beziehung zwischen Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II.

Viel Platz räumen die zehn Kuratoren dem Thema Lust und Laster ein. Prostituierte und Lustgreise wie etwa Alter Mann und Mädchen (um 1530) von Lucas Cranach dem Älteren hängen neben Leonardo Da Vinci mit weiblichem Modell des Wiener Fin-de-Siecle-Malers Hans Makart (1840- 1884).

Gegenüber ohne Liebe

Ein Highlight der Ausstellung droht im Konglomerat aus Rüstungen, Münzen und Werken der Gemäldegalerie allerdings beinahe unterzugehen: Das herrlich ironische Froschduell des Pariser Präparierungsunternehmens Maison Verreaux hat man in eine der hintersten Ecken verbannt. In bestechender Dynamik karikiert das Präparat das menschliche Fechtduell und lässt durchblicken, dass es ein Gegenüber nicht nur zur Liebe braucht. (Stefan Weiss, DER STANDARD, 1.7.2013)

Bis 8. 9.

  • "Froschduell" (Paris nach 1833): Nicht nur für die Liebe braucht es ein Gegenüber.
    foto: khm mit mvk und ötm

    "Froschduell" (Paris nach 1833): Nicht nur für die Liebe braucht es ein Gegenüber.

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