Zoidls Ansage, Cancellaras Plädoyer

30. Juni 2013, 17:05
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Belgier gewann in Kühtai den Auftakt, ein Österreicher sorgte für eine Überraschung. Schweizer Superstar wundert sich sehr über Desinteresse des Staatsfernsehens

Kühtai - Riccardo Zoidl gibt Anlass zu den schönsten Hoffnungen. Der 25-jährige Linzer vom Continental Team Gourmetfein Simplon Wels belegte am Sonntag auf der ersten Etappe der 65. Österreich-Rundfahrt den zweiten Platz. Geschlagen geben musste sich Österreichs Berg- und Straßenmeister nach 135 Kilometern von Innsbruck nach Kühtai nur dem Belgier Kevin Seeldraeyers. Der 26-jährige Antwerpener, schon 2009 bester Nachwuchsfahrer beim Giro d'Italia, setzte sich bei der Bergankunft in 2018 Metern Höhe acht Sekunden vor Zoidl und 13 Sekunden vor dem US-Amerikaner Joseph Lloyd Dombrowski von Sky durch.

Die gelbe Last

Zoidl überraschte sich mit seiner Leistung im 20 Kilometer langen Schlussanstieg selbst. Der Oberösterreicher kletterte die bis 15 Prozent steilen Abschnitte der vermutlich schwierigsten Etappe (3300 Höhenmeter) im kleinen Spitzenfeld, verpasste aber just in einem Flachstück die Attacke von Seeldraeyers. "Ein Sieg wäre schön gewesen, aber da hätte sich mein Team nicht bedankt. Denn mit unserem kleinen Team kann man so ein Rennen nicht kontrollieren." Das Gelbe Trikot kann ganz schnell zur Last werden. Österreichs Radsport wartet jedoch weiter auf den ersten Etappenerfolg seit Rene Haselbachers Tagessieg 2008.

Seeldraeyers hatte eigentlich fix mit einem Start bei der Tour de France gerechnet. Der Erfolg in Österreich sei eine kleine Entschädigung. "Heute war es für den Auftakt fast zu schwierig, und der härteste Anstieg kommt noch. Ich werde versuchen, das Gelbe Trikot zu verteidigen, ich bin in Topform." Sein kasachischer Rennstall hatte 2011 im Schweden Fredik Kessiakoff den Sieger der Ö-Tour gestellt. Der fährt heuer gemeinsam mit dem Dänen Jakob Fuglsang, der im Vorjahr in Österreich triumphiert hatte, die Tour de France.

Die auf dem Papier starken Kletterer wie den elftplatzierte Däne Chris Anker Sörensen oder den zweifachen Giro-d'Italia-Sieger Ivan Basso ließen er und Zoidl deutlich hinter sich.

Heute, Montag, wird der Wahl-Innsbrucker Zoidl auf den Rampen zum Alpenhaus auf dem Kitzbüheler Horn erneut auf sich allein gestellt sein. "Ich hoffe, dass ich diesen Tag auch halbwegs gut überstehe", sagte der Gewinner von Bretagne-, Ardennen- und Oberösterreich-Rundfahrt, "dann sind die Top fünf oder das Podest realistisch." Er lasse die Dinge auf sich zukommen, versuche dranzubleiben und vertraue auf das Zeitfahren in Podersdorf am vorletzten Tag. "Darauf kann ich mich verlassen, da sind 30 bis 40 Sekunden drinnen." Gegen die Bergspezialisten vielleicht, aber mit Sicherheit nicht gegen den Superstar der Österreich-Rundfahrt, gegen Fabian Cancellara.

Des Schweizers Lust

Der Schweizer genießt eine verhältnismäßig stresslose Zeit. Der vierfache Weltmeister und Olympiasieger im Zeitfahren hat nach seinem dritten Triumph bei Paris-Roubaix und dem zweiten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt heuer nur noch die Straßen-WM im September in Florenz im Visier. "Die Tour de France kam mir nicht gelegen, aber ich brauche Rennen, und die Österreich-Rundfahrt passt gut ins Programm", sagte der 32-jährige Berner, der zuletzt 2002 in Österreich gefahren war und damals den Prolog gewonnen hatte.

"Auch kleine Rennen haben es verdient, große Leute zu haben", sagte Cancellara und brach eine Lanze für die Österreich-Tour. Rennen dieser Qualität müsse man suchen im Kalender. Cancellara wunderte sich über die fehlende Live-Berichterstattung im ORF. "Man sollte dem Land zeigen, dass das eine Rundfahrt ist, die in den Kalender gehört. Es gibt noch anderes als Skifahren und Skispringen." (APA, lü, DER STANDARD, 1.7.2013)

Ergebnisse der 65. Österreich-Rundfahrt vom Sonntag:

1. Etappe (Innsbruck - Kühtai/Bergankunft/134,9 km): 1. Kevin Seeldraeyers (BEL) Astana 4:06:02 Stunden - 2. Riccardo Zoidl (AUT) Wels Gourmetfein 0:08 Minuten zurück - 3. Joseph Lloyd Dombrowski (USA) Sky 0:13 - 4. Dries Devenyns (BEL) Omega-QuickStep 0:24 - 5. Matthew Busche (USA) RadioShack - 6. Alexander Djatschenko (KAZ) Astana , alle gleiche Zeit - 7. Sergej Tschernezkij (RUS) Katjuscha 0:59 - 8. Nicolas Edet (FRA) Cofidis - 9. Fabio Aru (ITA) Astana - 10. Petr Ignatenko (RUS) Katjuscha, alle gleiche Zeit - 11. Chris Anker Sörensen (DEN) Saxo 1:01 - 12. Mathias Frank (SUI) BMC - 13. Stefan Denifl (AUT) IAM, alle gleiche Zeit - 22. Hans-Jörg Leopold (AUT) WSA Graz 2:25 - 27. Daniel Paulus (AUT) Gourmetfein 2:32 - 32. Paul Lang (AUT) WSA 4:10 - 34. Harald Totschnig (AUT) Tirol 5:31.

Gesamtwertung: 1. Seeldraeyers 4:05:52 Stunden - 2. Zoidl 0:12 zurück - 3. Dombrowski 0:19 - 4. Devenyns 0:34 - 5. Busche 0:34 - 6. Djatschenko 0:34 - 7. Tschernezkij 1:09 - 8. Edet 1:09 - 9. Aru 1:09 - 10. Ignatenko 1:09. Weiter: 13. Denifl 1:11 - 22. Leopold 2:35 - 27. Paulus 2:42

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Bergtrikot und "sweet kisses" für Riccardo Zoidl.

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