Ein früher Blick durch Google Glass

30. Juni 2013, 10:16
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Rund 10.000 ausgewählte "Explorer" dürfen jetzt schon einen Blick durch Googles neue Datenbrille werfen

In dieser Woche hat Google einige Journalisten zu einem "Basecamp" zu Google Glass eingeladen – ein Loft in der New Yorker Zentrale von Google. In einer stylischen Umgebung mit heller Holzverkleidung und warmem Licht wurde eine Gruppe von Bewerbern eingeladen, Googles Datenbrille zu testen.

Ein Zoowärter, ein Biertester, ein Pilot und der Schauspieler Neil Patrick Harris

Zu diesen rund 10.000 sogenannten Explorern gehören beispielsweise ein Zoowärter, ein Biertester, ein Pilot, der Schauspieler Neil Patrick Harris – besser bekannt als Barney aus der US-Serie  „How I Met Your Mother"  - und die Tennisspielerin Bethanie Mattek-Sands, die Google Glass laut des Konzerns beim Wimbledon-Turnier tragen wird.

Sie berichten über ihre Erfahrungen mit Google Glass in den sozialen Medien – häufig unter dem Hashtag #throughglass. Bei dem Treffen instruierten uns Google-Mitarbeiter in T-Shirts mit Glass-Logo, das an ein verfremdetes Star-Trek-Abzeichen erinnert. Zwei davon statteten mich mit einem orangefarbenen Modell aus – eine von fünf verfügbaren Farben dieser Prototypen. Der Silberrahmen des Headsets legte sich über meine Augenbrauen. Der  dickere Teil der Brille samt Kamera befindet sich auf der rechten Seite – ebenso wie der Lautsprecher, der sich mittels leichter Vibration gegen den Schädel bemerkbar macht.

Kurzes Nickens

Die Google-Mitarbeiter zeigten mir, wie ich Glass mittels eines kurzen Nickens nach oben aktiviere – oder, indem ich auf die rechte Seite der Brille tippe. In einem durchsichtigen Quadrat direkt über meinem rechten Auge taucht ein Bildschirm auf, der wie ein durchsichtiger Fernseh-Bildschirm wirkt – dabei allerdings kleiner als eine Briefmarke ist.

Ich sagte „Okay, Glass" – und ein Menü aus Befehlen rollte sich auf dem Display aus. Als ich „Mach ein Foto" sagte, schoss die Kamera ein Weitwinkelfoto von dem, was ich gerade in meinem Blickfeld hatte – oft war es der Gin Tonic, mit dem mich der Barkeeper versorgt hatte. Die Fotos wurden im Display angezeigt und ich konnte durch die bisher geschossenen Fotos scrollen, indem ich über einen Bügel des Geräts strich.

Testfahrt

Um es klarzustellen: Das war kein echter Test. Meine Erfahrung mit Glass ist vergleichbar mit der Testfahrt eines Autos, bei dem der Testfahrer nur auf dem Parkplatz steht und ein bisschen am Radio rumfummelt.

So war Glass beispielsweise nicht mit meinem Smartphone verbunden und ich konnte daher niemandem eine E-Mail oder SMS schicken. Auch die Fotos und kurzen Videoclips, die ich gemacht habe, konnte ich nicht senden.

In der kurzen Zeit, in der ich Glass benutzte, beherrschte ich die Steuerung des Geräts noch nicht – häufig starrte ich auf die Akkuanzeige, weil ich meinen Arm mal wieder in die falsche Richtung bewegt hatte. Doch bei bestimmten Aufgaben merkte ich bereits, wie ich mit der Brille schneller an Informationen kam, als wenn ich in die Tasche greife, um mein Smartphone rauszuholen. Als ich Google Glass fragte, ob der Schauspieler James Gandolfini gestorben ist, zeigte es mir die traurige Nachricht an und bestätigte damit ein Gerücht, das ich kurz zuvor auf meinem Smartphone gelesen hatte.

Ich habe mich nicht mit den technischen Fähigkeiten des Geräts beschäftigt – für mich war es vor allem die Möglichkeit, einen kurzen Blick auf eine mögliche Zukunft zu erhaschen, in der es ganz normal ist, mit jemanden zu reden, der einen Computer auf der Nase hat.

Fotos von Hundewelpen

Als ich mit einer Gruppe von Mitarbeitern herumstand und bei Google nach Cocktail-Rezepten und Fotos von Hundewelpen suchte, sahen wir nicht wie sonst üblich auf unsere Smartphones herunter. Stattdessen blickten wir auf unsere Glass-Bildschirme – als ob wir im Himmel nach den Ergebnissen suchten. (John Jurgensen, WSJ.de/derStandard.at, 30.6. 2013)

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    foto: google
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