US-Vize Biden telefonierte mit Ecuadors Präsident Correa

29. Juni 2013, 22:06
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Ecuadorianischer Präsident: Biden übermittelte US-Bitte, Snowdens Asylgesuch abzulehnen, "auf äußerst höfliche Weise"

Washington/Quito - US-Vizepräsident Joe Biden hat zum Telefonhörer gegriffen, um Ecuador von der Erteilung politischen Asyls für den Geheimdienst-Aufdecker Edward Snowden abzubringen. Dies teilte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa am Samstag in einer Pressekonferenz zurück. "Wir haben über die Affäre Snowden gesprochen und er hat mir auf äußerst höfliche Weise den Wunsch der USA übermittelt, das Asylgesuch abzulehnen", sagte Correa. Das Telefongespräch habe am Freitag stattgefunden.

Correa: "Größter Spionagefall in der Menschheitsgeschichte"

Zuvor hatte Correa in seiner wöchentlichen Pressekonferenz Snowdens Enthüllungen über geheime britische und US-Programme zur Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation als "größten Spionagefall in der Menschheitsgeschichte" bezeichnet.

US-Politiker haben dem südamerikanischen Land mit wirtschaftlichen Vergeltungsakten gedroht, sollte es den von der US-Justiz gesuchten 30-jährigen Computerspezialisten aufnehmen. Snowden wartet derzeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens darauf, dass ihm ein Land Zuflucht gewährt. Er soll Asylanträge in Ecuador und Island gestellt haben. Ecuador will den Asylantrag jedoch erst nach der Einreise Snowdens prüfen.

Konsul wird bestraft

Die ecuadorianische Regierung will jenen Diplomaten bestrafen, der Edward Snowden sicheres Geleit zugesichert und ihm damit die Ausreise aus Hongkong ermöglicht hatte. "Dieser Konsul hat seine Kompetenzen überschritten und wird sanktioniert", sagte Correa. Das Dokument sei ohne Erlaubnis der Regierung in Quito ausgestellt worden und daher ungültig.

Der spanischsprachige US-Fernsehsender Univison hatte diese Woche berichtet, dass der Konsul Ecuadors in London, Fidel Narvaez, dem NSA-Informanten ein Reisedokument ausgestellt habe. Nur so konnte er von Hongkong nach Moskau fliegen, wo er nun im Transitbereich des Flughafens festsitzt. Die US-Behörden, die Snowden per Haftbefehl suchen, haben nämlich den Reisepass des "Verräters" für ungültig erkärt. Correa ließ jedoch Sympathie für die Handlungen des Diplomaten erkennen. Er habe offenbar aus "Verzweiflung" angesichts der drohenden Festnahme Snowdens gehandelt.

Snowden hat schon 2008 Veröffentlichung überlegt

Edward Snowden hat sich schon seit Jahren mit dem Gedanken getragen, die Spitzelaktivitäten des Geheimdienstes NSA öffentlich zu machen. "Er war schon 2008 völlig desillusioniert und dachte damals schon daran, geheime Daten an die Öffentlichkeit zu bringen", sagte ein Kontaktmann Snowdens, der britische Journalist Ewen Mac Askill, der Tageszeitung "Kurier" (Sonntagsausgabe). "Er hielt sich zurück, weil er glaubte, dass Obama tatsächlich einen Wandel bringen würde." Barack Obama wurde im Jahr 2008 zum US-Präsidenten gewählt.

Die USA suchen Snowden als Enthüller umfassender Überwachungsprogramme des US-Geheimdiensts NSA per Haftbefehl. Sie fordern seine Auslieferung und haben seinen US-Pass entwertet. (APA, 29.6.2013)

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