Vetrauen ist wichtiger als Motivation

5. August 2003, 11:00
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Ideale Führungskräfte gibt es nicht, denn als solche müssten sie Universalgenies sein, sagt der St. Gallener Managementexperte Fredmund Malik - Er ist der Meinung, dass das Vertrauen der Mitarbeiter in ein Unternehmen noch wichtiger ist als die Motivation - Manager, die laut Lehrbuch alles richtig machen, können auch ganz falsch liegen

Fredmund Malik, Präsident des Managementzentrums St. Gallen, setzt verstärkt auf die Methode der Beobachtung, und gerade diese führte bei einem konkreten Fall zu einem Rätsel. "Wir hatten zunächst unseren Blickwinkel auf Motivationsfragen in Unternehmen gesetzt. Doch dann ist uns aufgefallen, dass Führungskräfte, die laut Lehrbuch alles richtig gemacht haben, oft ein schlechtes Betriebsklima hatten. Andererseits hatten wiederum Manager, die offenkundig alles falsch gemacht haben, eine ganz hervorragende Mitarbeitersituation."

Schließlich sei man draufgekommen, dass es am Vertrauen der Mitarbeiter dem Chef oder der Chefin gegenüber liege. Erst dann, wenn die Mitarbeiter wüssten, dass sie sich auf ihre Vorgesetzten verlassen könnten, sei Motivation sinnvoll. "Ansonsten verpuffen Motivationsprogramme und verkehren sich ins Gegenteil, da sie als Manipulation und Zynismus empfunden werden", erklärt Malik schließlich. Die Gründung der Abteilung für Wirtschaftspsychologie an der Uni Klagenfurt war Anlass für seinen Gastvortrag zum Thema "Management und Psychologie: Erfolge, Irrtümer und ungenützte Potenziale."

Vertrauen gewinnen

Den Psychologiestudierenden der Klagenfurter Uni empfahl er zu erforschen, wie Vertrauen entstehe, wie man es gewinnen und erhalten könne. Malik, der an der Universität St. Gallen Unternehmensführung unterrichtet, lehnt die Frage "Was sind ideale Führungskräfte?" einfach ab. Denn die Antwort darauf sei meist eine lange Liste von Eigenschaften, die nur ein Universalgenie erfüllen könne, das es bekanntlich nicht gibt. Er bevorzugt die Frage: Was sind wirksame Führungskräfte? Und verblüfft zunächst mit der einfachen Antwort: "Gewöhnliche Menschen."

Statt nach dem "Sein" zu fragen (Wie sollen Manager sein?), entschied sich Malik dafür, nach dem "Tun" von jahrzehntelang erfolgreichen Managern zu fragen. Und dabei beobachtete er einige Grundsätze wirksamer Führung, wie zum Beispiel für Ziele sorgen und Organisieren. Gleichzeitig müsse berücksichtigt werden, wie hoch die Ziele sein dürften, bevor Resignation eintritt. Ob die Organisation an Menschen angepasst werde oder umgekehrt. Komplizierte Organisationsformen sollten vermieden werden.

Stärken nutzen

Ein weiterer Grundsatz, den Malik hervorhob: Stärken nutzen. Jeder Mensch habe zumindest ein oder zwei Stärken. Es wäre aber auch wichtig, dass man junge Menschen auf ihre Stärken aufmerksam mache. Er kritisierte Seminare, die dazu beitragen würden, Schwächen zu beseitigen, aber nicht auf den vorhandenen Stärken aufbauen. Da Manager nicht nur Erfolgsmenschen seien, sondern dort gebraucht werden, "wo die Dinge schief laufen", empfiehlt Malik, positiv zu denken, da dies die persönliche Einstellung verändere. Die Fixierung auf Probleme und Problemlösungen mache noch niemanden erfolgreich. "Unternehmen heißt, Chancen sehen und sie nutzen." Außerdem soll der Schritt von der Motivation zur Selbstmotivation gemacht werden. Zwei Empfehlungen legte Malik den rund 250 Studierenden besonders an Herz: die "vergessene Motivationslehre" von Viktor Frankl, sie sei die beste von allen, und das Erwerben von linguistischer Kompetenz, also der Fähigkeit der Verbalisierung. Diese werde an Gymnasien nicht mehr vermittelt und viele Diplomarbeiten und Dissertationen seien eine sprachliche Katastrophe.

Auf eine Studentenfrage zum Thema Mobbing meinte Malik, er würde auch auf einen starken Mitarbeiter verzichten, wenn er mobbt. Das nicht zu tun wäre ein schwerer Fehler des Managements. (Josef Schneeweiß, DER STANDARD Printausgabe, 19./20.7.2003)

  • Fredmund Malik: Fehlt das Vertrauen, wirken Motivationsprogramme manipulativ und zynistisch
    foto: standard/benz

    Fredmund Malik: Fehlt das Vertrauen, wirken Motivationsprogramme manipulativ und zynistisch

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