Wifo/IHS zerpflücken Konjunkturpaket

28. Juni 2013, 18:08
3 Postings

Das von der Regierung verkündete Konjunkturpaket komme zu spät und bringe nur wenig, das Wachstum für heuer wurde nach unten revidiert

Wien - Zu spät, zu klein und zum falschen Zeitpunkt: Mit diesen Worten lässt sich zusammenfassen, was Wifo-Chef Karl Aiginger und Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für höhere Studien (IHS), über das aktuelle Konjunkturpaket der Regierung denken. Eine rasche Wirkung sei nicht zu erwarten, "und die Konjunktur 2014 braucht man nicht mehr wirklich zu stimulieren", sagte Keuschnigg am Freitag bei der Wirtschaftsprognose der beiden Institute. Denn 2014 solle das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 1,8 Prozent wachsen, laut Wifo um 1,6 Prozent.

Nicht alles, was im 1,6 Mrd. schweren Stimuluspaket enthalten sei, sei zudem neu - und nicht überall stehe dabei, wie es zu finanzieren sei. Kritisiert wird auch die Ausgangslage, denn das Paket wurde als Reaktion auf die Alpine-Pleite eilig geschnürt. Tauche in einem Sektor ein Problem auf, "darf nicht immer auch dort gegengesteuert werden, so kommt es zu keinem Strukturwandel", den es in manchen Bereichen aber brauche, sagte Aiginger.

Geld für Bildung gefordert

Viel wichtiger sei es, in den Bereich Bildung zu investieren. "Der Bildungssektor entscheidet darüber, ob die Wirtschaft wächst und es Vollbeschäftigung gibt", sagte Aiginger. Fehlende Bildung sei "das größte Arbeitslosigkeitsrisiko", fügte Keuschnigg hinzu. Bei 25 Prozent Leseschwäche unter den 15-Jährigen dürfe dies nicht verwundern, so Aiginger.

Für die Arbeitslosenrate in Österreich befürchten sowohl Wifo als auch IHS wegen der schwachen Konjunktur heuer einen Anstieg von 7,0 auf 7,5 Prozent. Das IHS rechnet für 2014 wegen der dann besseren Wirtschaftsaussichten nur noch mit einem Verharren auf diesem hohen Niveau, das Wifo prognostiziert jedoch nochmals eine leichte Verschlechterung auf 7,6 Prozent.

Hoffen auf Wachstum

Mit dem Umschwung der Konjunktur sei es wie mit dem Sommer: "Man hofft, dass er kommt", sagte Aiginger. Aber die Belebung lasse auf sich warten. Die Experten von Wifo und IHS haben daher ihre Prognose für das Wachstum der heimischen Wirtschaft im heurigen Jahr revidiert. 2013 dürfte das BIP real nur um 0,4 bzw. 0,6 Prozent wachsen - im März hatten Wifo und IHS noch ein Plus von 1,0 bzw. 0,8 Prozent erwartet. Für 2014 sehen sie jetzt 1,6 bzw. 1,8 Prozent Zuwachs.

Man hoffe, dass nach der Wahl Investitionen in Gang kommen. Auch die Politik müsse dann einiges leisten: "Der Reformstau muss nach der Wahl gelöst werden", sagte Aiginger.

Die Export- und Investitionsdynamik Österreichs sei wegen des schwachen internationalen Umfeldes auch heuer gedämpft, und der nur mäßige Anstieg der Realeinkommen sowie zunehmende Sparanstrengungen der privaten Haushalte (trotz der niedrigen Zinsen) würden weiterhin die Konsumnachfrage belasten. (bpf, DER STANDARD; 29.6.2013)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.