Warnwesten, Reservelamperl, Radarwarner

28. Juni 2013, 18:40
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Auf Europas Straßen ist man von gesetzlicher Einigkeit weit entfernt - ein Überblick

Wer in die Ferne oder auch die Nähe schweift, nimmt meist das Auto. Europaweit werden rund 68 Prozent der Urlaubsreisen aller Bürger der EU plus Bulgarien, Rumänien, Schweiz und Norwegen mit dem Pkw absolviert, 15 Prozent heben mit dem Jet ab, zeigt eine EU-Studie aus dem Jahr 2004. In Österreich liegt der Jetanteil bei den Urlaubsreisen derzeit bei 37 Prozent. Einfach hat man es mit dem eigenen Kraftfahrzeug nicht: Auf den Straßen ist die europäische Einheit weit entfernt, fast jedes Land hat seine Besonderheiten:

Italien: Eine Warnweste reicht für den Familienurlaub nicht. Jeder Fahrzeuginsasse muss so ein Jäckchen haben. Auch Radfahrer müssen reflektieren: In der Nacht besteht außerhalb geschlossener Ortschaften Warnwestenpflicht. Die Italiener haben überhaupt einen Hang zur Beleuchtung - tagsüber muss auf Überlandstraßen das Licht aufgedreht sein.

Hält sich der Urlauber nicht an die Regeln, ist man im südlichen Nachbarland ziemlich happig. Schon geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitungen kosten mindestens 170 Euro. Und wer mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut erwischt wird, kann sein Fahrzeug los sein - selbst eine Zwangsversteigerung ist möglich.

Kroatien: Wer an die östliche Adriaküste will, muss möglicherweise vorher zum Ersatzteilhändler. Denn in Kroatien brauchen Pkws ein Set an Reservelämpchen sowohl für Scheinwerfer als auch Bremslichter und Blinker. Wichtig ist auch, jeden Unfall bei der Polizei zu melden, selbst wenn man sein Auto nur an einer Säule im Parkhaus zerkratzt. Bei auffälligen Karosserieschäden kann bei der Ausreise eine Schadensmeldung verlangt werden.

Ungarn: Vor der Fahrt in die Puszta oder an den Plattensee sollte man auf jeden Fall kontrollieren, ob das Verbandszeug im Kofferraum liegt. Laut ÖAMTC wird das in vergangener Zeit von der Polizei verstärkt kontrolliert. Das Licht muss bei allen Pkws außerhalb der Städte ständig eingeschaltet sein.

Auf den Tokajer zum Essen sollte man tunlichst verzichten, falls man anschließend Gas geben will: Es herrscht eine strenge 0,0-Promille-Pflicht, die Exekutive kann an Ort und Stelle bis zu 1100 Euro verlangen, falls man das ignoriert. Ist die Urlaubskasse nicht so prall gefüllt, kann das Fahrzeug an der Weiterfahrt gehindert werden - bis hin zur Beschlagnahmung.

Frankreich: Trinken darf man in Frankreich zwar bis zu einer Grenze von 0,5 Promille, allerdings gilt seit 1. Juli 2012 die Mitführpflicht eines Alkotests. Ignoriert man diese, hat es aber keine Konsequenzen: Bisher wird dieses Manko nicht bestraft. Gar nicht lustig findet der Gesetzgeber dagegen den technischen Fortschritt. Navigationsgeräte mit aktiver Radarwarnfunktion sind verboten. Wer dennoch erwischt wird, zahlt bis zu 1500 Euro, das Auto kann auch konfisziert werden.

Die Hoffnung, dass Fremdsein vor Strafe schützt, stimmt übrigens nicht. Erstens kann die Begleichung von Strafzetteln bei der Wiedereinreise verlangt werden, zusätzlich haben viele Länder Vereinbarungen, die das Eintreiben des Bußgeldes auch in Österreich ermöglichen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2013)

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    Jedes Land hat eigene Verkehrsvorschriften. Man sollte als Reisender darüber Bescheid wissen.

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