Gold fällt nach Fed-Aussagen

28. Juni 2013, 16:58
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2013 könnte zum ersten Jahr werden, in dem Geld aus Gold-Fonds abfließt

Gold hat aktuell jeden Glanz verloren. Am Freitag ist der Preis für eine Feinunze zwischenzeitlich unter die Marke von 1200 Dollar gefallen und steht damit so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr. Tatsächlich könnte der Verlust im zweiten Quartal der höchste seit 1968 sein (Reuters). Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Feinunze knapp um 30 Prozent gefallen.

Die Rohstoffanalysten von dem unabhängigen Research-Unternehmen Ned Davis haben einen klaren Schuldigen für die massive Korrektur ausgemacht. In einem enormen Tempo haben sich Finanzinvestoren von dem gelben Edelmetall getrennt. Aktuell, so schätzen die Analysten John LaForge und Warren Pies, steigen Anleger pro Monat mit 6,5 Milliarden Dollar aus dem Markt mit Gold aus. Analysten von Société Générale etwa schätzen, dass seit Jahresbeginn bereits jeder fünfte veranlagte Euro aus Gold-ETFs (passive, börsengehandelte Fonds) abgeflossen ist. Damit könnte 2013 zum ersten Mal seit der Auflegung der ersten Gold-ETFs Geld aus diesem Marktsegment abfließen.

Rolle der Gold-Fonds

Tatsächlich haben gerade Gold-Fonds in den vergangenen Jahren eine große Rolle bei den steigenden Goldpreisen gespielt. Dass Investoren börsengehandelte Fonds kaufen konnten, die mit physischem Gold hinterlegt waren, hat die Angebots- und Nachfrage-Dynamik des Goldmarktes deutlich verändert. Das zeigen etwa die Zahlen des World Gold Council. 2012 etwa haben die ETFs mehr als sechs Prozent der globalen Nachfrage nach Gold gestellt. Das klingt erstmals nicht nach viel. Doch die Fonds haben Jahr für Jahr hunderte Tonnen Gold eingesammelt und halten nach Schätzungen zwischen 2000 und 2500 Tonnen Gold, mehr als die meisten Zentralbanken dieser Welt. Alleine zwischen Jahresbeginn und Ende April wurden allerdings 500 Tonnen von den Fonds wieder auf den Markt geworfen.

Kein Endes des Ausverkaufs in Sicht

Aktuell ist noch kein Ende des Ausverkaufs in Sicht. Spekulative Hedgefonds, die zuvor auf steigende Preise bei Gold gewettet hatten, haben ihre Positionen deutlich reduziert. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet von schmerzhaften Verlusten für Investoren, weil der Wert der ausstehenden Gold-Fonds seit Jahresbeginn um 55 Milliarden Dollar gefallen ist. Nun erwarten Analysten vereinzelt, dass es in dieser Tonart weitergeht. Die Rohstoffexperten bei ABN Amro etwa haben ihre Prognosen für den Goldpreis auf 900 Dollar im kommenden Jahr gesenkt – weil sie mit weiteren Fonds-Verkäufen rechnen.

Der Pessimismus für den Goldpreis wurde zuletzt vor allem von der US-Notenbank Fed geschürt. Alleine die Ankündigung später im Jahr die Staatsanleihenkäufe zu reduzieren hat die Zinsen für viele Anleihen nach oben getrieben. Höhere Zinsen jedoch machen die Papiere relativ zum nicht verzinsten Gold attraktiv. Und so vermuten etwa Analysten der Schweizer Bank UBS, dass Gold noch weiter fallen könnte, wenn die Zinsen steigen. (Lukas Sustala, derStandard.at, 28.6.2013)

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    Der Pessimismus für den Goldpreis wurde zuletzt vor allem von der US-Notenbank Fed geschürt.

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