Heißer Spontanrealismus

28. Juni 2013, 19:44
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"im Kinsky" sicherte sich den Titel heißeste Auktion der Saison: nicht wegen des Umsatzes oder der Verkaufsquote

Bietertäfelchen in Fächerform, das war bereits ein 2012 an dieser Stelle empfohlenes "Kinsky"-Werbeutensil. Als Ersatz offerierte man aktuell eine flugs vergriffene Anzahl an Leihfächern. Der Auktionssaal im Barockbau an der Freyung strafte die Legende vom klimabegünstigten Altbau im Zuge der 96. Kunstauktion (18.- 20.6.) dennoch Lügen. Die drei mobilen Klimageräte kämpften tapfer, wiewohl vergeblich. Die Sahara-Hitze behielt die Oberhand, die Raumtemperatur lag irgendwo um die gefühlten 40 Grad. Und so verdiente sich "im Kinsky" das Attribut "heißester" Auktionsverlauf der Saison redlich.

950 Kunstwerke aus sechs Sparten sollten die Halbjahresbilanz um fünf oder zehn Millionen Euro aufstocken. Mit 4,5 Umsatzmillionen (exklusive Zuschläge unter Vorbehalt) lag die Realität näher am Minimum, die Verkaufsquote nach Positionen bei 40, nach Wert bei 60 Prozent.

Begehrte Tazza

Zum Auftakt wechselte die Hälfte der Altmeister-Entourage den Besitzer. Den höchsten Zuschlag erteilte man einem deutschen Käufer, der für das in den 1640er-Jahren von Jan Brueghel d. J. ausgeführte Stillleben mit "Blumenkorb und Tazza" 275.000 Euro (inklusive Aufgeld) bewilligte. Bei Lempertz (Köln) war dieses aus österreichischem Adelsbe- sitz stammende Gemälde (Taxe 180.000-200.000 Euro) im Mai 2008 noch gescheitert.

Die stärkste Nachfrage verzeichnete die in der Sektion Bilder des 19. Jahrhunderts aufgerufene Porträtserie russischer Adeliger. Bei Alexander Molinaris Gemäldepaar (Taxe 10.000-20.000) setzte sich ein Telefonbieter gegen einen Saalkontrahenten durch und fand das Ehepaar Uschakow für 118.750 Euro in Moskau eine neue Heimat. Iwan Kosmitsch Makarows Bildnis Anastasi Uschakows wechselte hingegen für 125.000 Euro (10.000-20.000) in den russischen Kunsthandel und für Carl Timoleon von Neffs Porträt General Pawel Petrowitsch Uschakows bewilligte ein aus St. Petersburg angereister Käufer deren 81.250 (10.000-20.000).

Im Auftrag eines Sammlers ergatterte Kunsthändler Patrick Kovacs die Highlights der Sparte Jugendstil: einerseits eine Kette mit Anhänger (1904) von Josef Hoffmann (125.000), andererseits eine mit Leder bezogene Kassette (1908) von Kolo Moser (37.500).

Den Höchstwert in der Sektion Klassische Moderne notierte man - wieder einmal - für ein Werk von Alfons Walde (Herbst auf der Alm, 181.250); jenen bei Zeitgenössischem für eine New-York-Ansicht (50.000) von "VOKA" , seines Zeichens ein malender Vertreter des "Spontanrealismus", der neben Peter Bogner (Künstlerhaus) sogar Frank Stronach zu seinen Fans zählen "darf". (kron, Album, DER STANDARD, 29./30.6.2013)

  • 2008 scheiterte dieses Stillleben von Jan Brueghel d. J. bei Lempertz, um jetzt im Kinsky bis zu stolzen 275.000 Euro zu motivieren.
    foto: im kinsky

    2008 scheiterte dieses Stillleben von Jan Brueghel d. J. bei Lempertz, um jetzt im Kinsky bis zu stolzen 275.000 Euro zu motivieren.

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