Reproduktionsmedizin: Ein Baby, drei Eltern

28. Juni 2013, 13:43
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Großbritannien will künstliche Befruchtung mit DNA von drei Menschen - Methode soll Vererbung schwerer Gendefekte verhindern

London - Zur Verhinderung von Gendefekten will Großbritannien eine Befruchtungsmethode vorantreiben, bei der die DNA von drei Menschen benutzt wird. Die Regierung beschloss Donnerstagabend, im kommenden Jahr einen Gesetzentwurf für diese neue und umstrittene Technik im Parlament zu debattieren. Damit könnte Großbritannien das erste Land der Welt werden, in dem diese Behandlung angewendet werden darf.

Die Methode soll Frauen mit geschädigten Mitochondrien helfen - Zellstrukturen, in denen Energie aus Nahrung in eine Form umgewandelt wird, die der Körper nutzen kann. Dieser seltene Gendefekt, der zu Fehlentwicklungen von Organen führen kann, wird nur durch die Mutter auf das Kind übertragen, da nur Mütter mitochondriale DNA vererben.

Der Vater spendet den Samen, die Mutter ihre Eizelle. In die Eizelle einer weiteren Frau - ohne Mitochondrien-Defekt - wird der Zellkern aus der Eizelle der Mutter eingesetzt und dann mit dem Samen des Vaters befruchtet. Damit würde es möglich, einen gesunden Embryo zu erhalten. Dieser hätte allerdings nur die Eigenschaften seiner beiden Eltern, weil diese in der DNA des Zellkerns gespeichert sind, nicht in den Mitochondrien.

Vom Labor in die Gebärmutter

Es sei richtig, "diese lebensrettende Behandlung so schnell wie möglich einzuführen", sagte Sally Davies, britische Regierungsberaterin für Gesundheitsfragen. Die Methode wird derzeit im Labor erforscht, die so erhaltenen Embryos dürfen noch nicht in die Gebärmutter eingepflanzt werden. In wenigen Monaten sollen laut Davies die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden. 

David Kling, Leiter der Organisation Human Genetics Alert, hält die Methode für unnötig und unsicher. "Es ist eine Katastrophe, dass auf Basis von unzureichenden Ratschlägen und Erkenntnissen eine Grenze überschritten wird, die eventuell zu einem Markt für Designer-Babys führt." (APA/red, derStandard.at, 28.6.2013)

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    Von defekten Mitochondrien ist eines von 6.500 Neugeborenen betroffen.

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