Pentagon kauft russische Hubschrauber um eine Millarde Dollar

28. Juni 2013, 17:10
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Regulierungsbehörde kritisiert Waffengeschäft - Piloten für Mil Mi-17-Helikopter schwer zu finden

Der US-Generalinspektor für den Wiederaufbau Afghanistans übt heftige Kritik an einem Großeinkauf des Pentagons. Das US-Verteidigungsministerium hatte am 18. Juni beschlossen, 30 weitere Mil Mi-17-Hubschrauber der russischen Exportagentur Rosoboronexport für die afghanische Armee zu bestellen. 33 russische Helikopter wurden seit Beginn des Beschaffungsprogramms im Mai 2011 bereits geliefert, der Kaufpreis inklusive Wartungsverträgen liegt bei mehr als einer Milliarde Dollar.

Rosoboronexport beliefert auch die syrische Armee mit Waffen, weshalb die Firma ab dem Budgetjahr 2013 keine Aufträge aus den USA mehr erhalten darf. Die aktuellen Käufe werden aber mit bereits 2012 budgetierten Geldern bezahlt.

Flugtraining in Tschechien

Die Mehrzweckhubschrauber sollen der afghanischen Armee ermöglichen, nach dem Abzug der ISAF-Truppen selbstständig Missionen zur Terror- und Drogenbekämpfung abzuwickeln. Bisher verfügt die Abteilung für Spezialmissionen allerdings über lediglich 180 Mitarbeiter, bis Mitte 2015 sollen es 806 sein.

Die Hubschrauberpiloten absolvieren eine Grundausbildung auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Fort Rucker in Alabama und werden dann zu einem Intensivtraining nach Tschechien gebracht. Dorthin geschafft haben es aber bisher die wenigsten: Laut Generalinspektor John Sopko nehmen je zwei bis acht Flugschüler an der Ausbildung in Tschechien teil.

Rekrutierungsprobleme

Die Rekrutierung potenzieller Hubschrauberpiloten und -mechaniker läuft schleppend, da allein der Sicherheitscheck durch US-Behörden 18 bis 20 Monate dauert. Außerdem müssen Bewerber schreiben und lesen können und sollen auch die englische Sprache beherrschen. Das treibt die Gehälter in die Höhe, weil englischsprechende Afghanen auf dem Arbeitsmarkt äußerst begehrt sind.

Die Entscheidung fiel auf den russischen Mehrzweckhubschrauber, weil Modelle aus amerikanischer Produktion viel wartungsanfälliger und schwieriger zu beherrschen sind, was die Pilotenausbildung verlängern würde. Eine Umschulung der bereits ausgebildeten Piloten von der Mil Mi-17, die seit den 80er Jahren in Aghanistan eingesetzt wird, würde laut Pentagon etwa drei Jahre dauern. Die Mil Mi-17 ist bei den afghanischen Streitkräften im Einsatz.

Kaum Nachtflugerfahrung

Obwohl der Großteil der Anti-Terror-Einsätze nachts erfolgt, haben bisher lediglich sieben der 47 Hubschrauberpiloten der Abteilung für Spezialmissionen die für den Flug mit Nachtsichtgeräten erforderlichen Schulungen absolviert. Der Generalinspektor befürchtet deshalb, dass die Hubschrauber nur selten zum Einsatz kommen werden. (red, derStandard.at, 28.6.2013)

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    Afghanische Spezialeinheiten üben in der Nähe von Kabul Luftlandeeinsätze.

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