Wikileaks-Helfer war bezahlter FBI-Spitzel

Junger Wikileaks-Helfer soll ein Jahr lang als Informant für die US-Behörde agiert haben

Der 20-jährige Isländer Sigurdur Thordarson soll mehrere Jahre für Wikileaks tätig gewesen sein und am Ende seiner Karriere dem FBI Internes der Whistleblower-Plattform preisgegeben haben. Es handle sich dabei um den ersten bekannten FBI-Informanten, der innerhalb von Wikileaks agiert hat.

Verwalten von Chat Rooms

Das FBI hat bereits 2010 Wikileaks als kriminelle Organisation angesehen und versucht, Informationen über das Netzwerk und dessen Mitarbeiter zu erlangen. Der damals 17-jährige Thordarson hat 2010 an der Seite von Wikileaks-Gründer Julian Assange die Chat Rooms der Plattform verwaltet, die eine Kommunikationsschnittstelle für Journalisten und Informanten gewesen ist. Wired hat den heute 20-jährigen nach Details zu den Geschehnissen gefragt und einige Antworten bekommen.

Kriminelle Machenschaften

Die isländische Politikerin Birgitta Jonsdottir soll Julian Assange persönlich vor Thordarson gewarnt haben, da sie ihm nicht vertraute. Ihre Vermutungen haben sich am Ende bestätigt, denn Thordarson verstrickte sich immer weiter in kriminelle Machenschaften und ging am Ende zum FBI über. So soll er 2011 die Hackerorganisation Lulzsec angestachelt haben, Netzwerke des isländischen Parlaments zu hacken. Als einer der Lulzsec-Mitglieder vom FBI geschnappt wurde und ab dann auch als Informant für die Behörde agierte, bekam es Thordarson mit der Angst zu tun.

Reine Weste

Zwei Monate nach dem Vorfall soll Thordarson das FBI selbst kontaktiert zu haben, um sich seine Weste rein zu waschen. Im August 2011 hat der damals 18-jährige die in Island ansässige US-Botschaft aufgesucht und darum gebeten, bei der Untersuchung zu Wikileaks helfen zu wollen. Als Beweis soll er eine Kopie des Reisepasses von Julian Assange mitgebracht haben, als auch einige Auszüge privater Kommunikation zwischen Thordarson und Assange.

Für 5.000 Dollar

Das FBI kam unter anderen Vorwänden nach Island und hat den Wikileaks-Helfer zwanzig Stunden lang verhört. Danach übermittelte er zahlreiche Konversationen und Interna an das FBI – für insgesamt 5.000 Dollar Belohnung. 2011 wurde er allerdings von Wikileaks gefeuert, nachdem er einen T-Shirt-Shop gestartet hatte, in dem online Kleidung mit Wikileaks-Logo verkauft wurde, und das Geld in die eigene Tasche steckte.

Unbrauchbar fürs FBI

Das FBI brachte Thordarson anschließend in die USA, wo er insgesamt acht Festplatten ausgehändigt hat, die Konversationen und Dateien der Whistleblower-Plattform beinhalteten. Da er für das FBI nicht mehr brauchbar war, wurde Thordarson im März 2012 vom FBI mit etwas Bargeld abgespeist. In Island soll der 20-Jährige aber noch wegen Steuerangelegenheiten vor Gericht kommen. (red, derStandard.at, 28.6.2013)

Links

Wired

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23 Postings
Erinnert mich irgendwie an das letzte Abendmahl...

...einer von euch wird mich veraten...

Sigurdur Thordarson ist ein Held ;-)

Zumindest wenn es nach der Logik vieler Poster hier geht. Er hat die Organisation verraten, für die er gearbeitet hat. Das macht ihn zum Helden.

Außerdem: Wikileaks will doch mehr Transparenz ----- für alle anderen, nur nicht für sich selbst. Sigurdur Thordarson sorgt lediglich dafür, dass diese Sache mit der Transparenz auch für Wikileaks selbst gilt, sollte man ihn dafür verdammen?

Ich lese immer wieder wie man die Aufdecker von US Verbrechen wie kriminelle behandelt, aber was ist mit dem USA? Keine Sanktionen, keine Boykotte von US Produkten, keine Politiker die ins Gefängnis gehen müssen, stattdessen biedert man sich bei Obama an der wie alle US Präsidenten eh nur eine billige austauschbare Marionette ohne Rückgrad ist.

Er tat es für 30 Silberlinge...

ohje ohje ohje

ein richtiges

Talent. Könnt Politiker werden.

Österreicht brauch vermutlich bald einmal einen neuen ÖVP-Justizminister

vielleicht wäre das etwas für so einen flexiblen jungen Mann ohne jegliche Prinzipien und mit jeder Menge krimineller Energie ?!?

Der Tierschützerprozess braucht Leute wie ihn, sonst kommt es ja nie zu dem "richtigen" Ergebnis

an derstandard: bitte die Guten mit weißem Hut und die Bösen mit schwarzem Hut abbilden

sonst kennt sich ja keiner mehr aus.

Für 5000 Dollar?
Ziemlich billig. Im jeder Hinsicht.

30 silberlinge

Gabs dafür mal.

Kony in Afrika

missbraucht Kinder als Soldaten!

"Thordarson verstrickte sich immer weiter in kriminelle Machenschaften und ging am Ende zum FBI über."

Der Gipfel den man als Krimineller erreichen kann: für die US Regierung zu arbeiten.

[as predicted n°20]

Ich würde mir wünschen, dass die vielen Poster¹, die Assange in den letzten Jahren hier als "paranoid" beschimpft haben, zu ihren Fehlern stehen und sich folgerichtig hier entschuldigen würden.
---
¹ www.google.at/search?q=... tandard.at

[doubleStandard]

Also hat die US-Regierung mit FBI-Hilfe genau das gemacht, was sie Snowden vorwirft.

Wer darf was und warum?

Augustinus berichtet von einem Piraten, der von Alexander dem Großen gefangen genommen war. „Wie kannst Du es wagen, das Meer zu belästigen?”, fragte ihn Alexander. „Wie könnt Ihr es wagen, die ganze Welt zu belästigen?“, erwiderte der Pirat. „Da ich nur ein kleines Schiff habe, werde ich Räuber gerufen; Euch, die Ihr eine große Flotte besitzt, nennt man Imperator.”
(Noam Chomsky, Pirates and Emperors)

Mit 18 schon so ein Opportunistena****? Aus dem wird noch was.

verkehrte welt, nur ein trugbild

geheimdienste dürfen kriminelle tätigkeiten ausüben, und die organisationen, die deren kriminelle tätigkeiten veröffentlichen, werden über die ganze welt verfolgt. und da alle länder ihren geheimdiensten ähnliche rechte verleihen, gibt es auch niemanden, der was dagegen unternimmt.
nur in der schule wird noch gelehrt, dass alle menschen gleich seien und dass die menschlichen grundrechte für alle gelten. so lange die mehrheit der bevölkerung der sogenannten zivilisierten staaten derartige methoden gutheißen und die verantwortlichen parteien wählen, so lange bleibt dieser betrug am leben.

Klingt wie die Drehbuch-Zusammenfassung eines mittelmäßigen Agententhrillers.

na ja, was willst

bei einem 18 jährigen hauptdarsteller der sich sein drehbuch selbst geschrieben hat.

maximal mittelmäßig

Ich dachte

Leute die sowas machen bezichtigt man der Spionage und lässt international nach ihnen fahnden? Muss wohl was verwechselt haben...

Ja, das haben Sie verwechselt. Aber keine Angst, nicht jeder muss differenziert denken koennen - Sie duerfen gerne in Ihrer Traumwelt weiterleben.

Was hat das mit dieser "Traumwelt" eigentlich auf sich? Tut mir leid für die naive Frage, aber mir fällt da immer das Differenzieren ein bisserl schwer

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