UNO-Gesandter für Irak zieht düstere Bilanz

    28. Juni 2013, 07:21
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    Martin Kobler: Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten lähme das gesamte Land - 22 Tote bei Anschlägen

    Bagdad/Kuwait-Stadt - Zum Ende seiner Amtszeit hat der UN-Sondergesandte für den Irak, der deutsche Diplomat Martin Kobler, ein düsteres Bild des Landes gezeichnet. "Ich bin sehr besorgt am Ende meiner zwei Amtsjahre, weil das Sektierertum zunimmt und die Gewalt zunimmt", sagte Kobler in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak "lähmt praktisch alles im Land". Es gebe keinen systematischen Dialog zwischen den Konfessionen. "Nicht miteinander reden, ist ein Rezept für ein Desaster", warnte Kobler.

    Fortschritt in zwei Bereichen

    Der scheidende UN-Sondergesandte nannte zwei Bereiche, in denen Fortschritte erzielt worden seien. Mit seinen Reparationszahlungen an Kuwait habe der Irak die Beziehungen zu dem kleinen Nachbarland verbessert. Außerdem hätten einige Wahlen stattgefunden, die als frei und fair eingestuft worden seien.

    Tief gespaltenes Land

    Kobler klagte jedoch über einen Reformstau in dem tief gespaltenen Land. So müssten ein neues Parteiengesetz und ein Gesetz zum Öl- und Gasmarkt verabschiedet und föderale Strukturen geschaffen werden. "Hier sind immer noch einige Dinge unvollendet", kritisierte der deutsche Spitzendiplomat. Zwar habe es der Irak mit Nachbarstaaten wie dem Bürgerkriegsland Syrien nicht leicht, viele seiner Probleme seien aber "hausgemacht".

    Kobler übernimmt im Juli die UN-Friedensmission in der Demokratischen Republik Kongo (MONUSCO). Die Truppe mit mehr als 17.000 Blauhelmsoldaten ist einer der bedeutendsten Militäreinsätze der Vereinten Nationen weltweit. 

    22 Tote bei Anschlägen am Donnerstag

    Bei Anschlägen auf Kaffeehäuser sind am Donnerstag mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Die Explosionen ereigneten sich in der Hauptstadt Bagdad, in der rund 65 Kilometer nordöstlich gelegenen Stadt Baquba sowie in den südlich gelegenen Städten Jbela und Iskandariya.

    In Bagdad töteten zwei Bomben mindestens acht junge Männer, die gerade dabei waren die Übertragung eines Fußballspiels im Fernsehen zu verfolgen. In Baquba starben nach Angaben der Polizei insgesamt zehn Menschen bei zwei voneinander unabhängigen Detonationen.

    Die Gewalt im Irak nimmt seit Jahresbeginn zu. Allein im Mai wurden 1000 Menschen bei Anschlägen getötet. Bei den Aufständischen, die teilweise auch Verbindungen zum irakischen Al-Kaida-Ableger unterhalten, handelt es sich vorwiegend um Angehörige der sunnitischen Minderheit. Diese fühlen sich von der schiitischen Mehrheit unterdrückt, die nach dem Sturz des langjährigen irakischen Diktators Saddam Hussein an die Macht kam. (APA, 28.6.2013)

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